Xbox One: Microsofts Vorstellung enttäuscht die Gamer

Blog25. Mai 2013, 12:00
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Wie ein geplanter Mediencoup erboste Fans und alarmierte Datenschützer hinterließ

Microsofts Vorstellung der Xbox One am vergangenen Dienstag hat nicht den Nerv der Videospielfans getroffen. Der Fokus der Ende 2013 erscheinenden Konsole auf mediale Konvergenz und Live-TV-Integration sowie die misslungene Kommunikation strittiger Aspekte wie Online-Zwang, Gebrauchtspielgebühr und mangelnde Abwärtskompatibilität haben bei der Leserschaft von Videospielseiten und auch bei Gaming-Enthusiasten auf Breitenmedien für enttäuschte Rückmeldungen und erboste Aufschreie gesorgt. Gleichzeitig riefen die angekündigten und potentiellen Funktionen der neuen Kinect-Sensorsteuerung die Datenschützer auf die Barrikaden. Wie sich ein Medienspektakel zum PR-Desaster zu wandeln droht.  

Enttäuschte Spieler

Dass die Enthüllung der neuen Xbox kein reines Spielefest werden würde, war vorher schon klar. Doch, dass kein einziges Spiel in Echtzeit demonstriert und neben einer Hand voll Fortsetzungen bekannter Franchises nur ein einziges neues Spiel angekündigt wurde, ließ die Träume der meisten Xbox-Spielefans regelrecht zerplatzen. In einer Umfrage der größten Spieleseite IGN reagierten nur 25 Prozent der 67.000 Teilnehmer positiv auf die Xbox One-Präsentation. 6 Prozent sagten, die Vorstellung sei "fantastisch" gewesen, 17 Prozent meinten, eine "solide" Vorführung gesehen zu haben. Dreiviertel aller Befragten hingegen zeigten sich enttäuscht. 47 Prozent sagten, es hätte zu viele Aspekte gegeben, die sie nicht interessierten, während knapp 29 Prozent der Teilnehmer erklärten, die Präsentation sei ein "Desaster" gewesen.

Konsolenkrieg entbrannt

Ahnend, dass die Kernspielerschaft nicht positiv auf einen Multimedia-Fokus reagieren würde, erklärte Microsoft bereits im Vorfeld, dass die Pressekonferenz auf der E3 in wenigen Wochen Anfang Juni die Games ins Rampenlicht stellen wird. Ein Versprechen, dass jedoch nichts am aus Sicht der Gamer missratenen Erstauftritt ändern konnte. Die US-Seite Gamespot rief im Kampf der neuen Konsolen Internetnutzer dazu auf, ihre Stimme für die Xbox One oder Sonys PlayStation 4 per Twitter abzugeben. Bis Freitagnachmittag stellten sich 88 Prozent auf die Seite der PS4 - ein deutliches Zeichen für Sonys Fokus auf Videospiele.

Negativkampagne

Begleitet wurden die Protestrufe der Leser von unzähligen Karikaturen und Spottbildern erboster Fans, die sich über Microsofts Vorstellung und die Xbox One lustig machen. Die österreichische Seite consol.AT hat einige dieser Memes in einem Artikel zusammengefasst. Doch nicht nur enttäuschte Kunden, auch Journalisten äußerten offen ihren Verdruss. Eurogamer beispielsweise synchronisierte die Pressekonferenz neu, um sie mit Worten zu übersprechen, die Microsoft lieber sagen hätte sollen. Videogamer persiflierte die Show gar noch ein Stück spitzzüngiger. Eine Google-Bildersuche nach "Xbox One Meme" enthüllt weitere humorvolle Bösartigkeiten.

(Video: Xbox One Reveal 2013 "Highlights")

Kommunikationsproblem

Neben erbosten Spielern alarmierte Microsofts Vision der kameragesteuerten Medienzukunft auch themenferne Massenmedien. Die Möglichkeiten von Kinect, Nutzer auch im abgeschalteten Zustand zu belauschen, bekam Datenschützern gar nicht gut und ein Patent zur Überwachung der Anwender zur Limitierung der Nutzungsrechte machte Konsumentenschützer hellhörig. 

Das Problem liegt hier wie bei strittigen Gaming-Themen wie dem Online-Kopierschutz nicht nur in den jeweiligen Funktionen der Konsole selbst. Microsoft verstärkt die Unsicherheit der Konsumenten in dem zu vielen brennenden Fragen keine Antworten gegeben werden. Anstatt klare Ansagen zu machen heißt es "wir nehmen Bedenken sehr ernst", "wir erwägen Szenarien" oder "dazu mehr in den kommenden Wochen und Monaten". Spieler werden mit hochmütigen Aussagen wie "wenn du abwärtskompatibel bist, bist du wirklich rückschrittlich" geradezu verhöhnt. Das schürt Ärger und macht die Situation vielleicht schlechter, als sie tatsächlich ist.

Nachholbedarf

Zu hoffen ist, dass sich Microsoft das negative Feedback zu Herzen nimmt und beim nächsten Auftritt auf der E3 eine unmissverständliche Sprache spricht. Für die Fans wird sich dann auch zeigen, ob die versprochene Umgarnung der Spielerschaft kein reines Lippenbekenntnis ist. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 25.5.2013)

Die Top 5 der Woche

  1. Microsoft stellt Xbox One mit TV-Integration und neuem Kinect vor 
  2. "Masters of the World": Der Kanzlersimulator
  3. Xbox One mit Online-Zwang und Online-Kopierschutz
  4. Video: Microsoft stellt die neue Xbox One vor 
  5. Die ersten Games für die Xbox One: Mystery und Motorentraum 

Über den Blog

Der GameStandard-Blog erscheint jeden Samstag. Redakteur Zsolt Wilhelm gibt darin seine persönliche Meinung zu Spielethemen wieder und blickt hinter die Kulissen des GameStandard. Er beantwortet auch gerne Ihre Fragen über Twitter und Google+.

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