Barenboim klagt: "Ungewissheit um Scala-Intendanten bremst Planung"

24. Mai 2013, 11:20
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Kritik wegen Debatte über Staatsangehörigkeit von Lissners Nachfolger

Mailand - Der Musikdirektor der Mailänder Scala, Daniel Barenboim, beklagt, dass die Ungewissheit um die Nachfolge von Intendanten Stephane Lissner ab 2015 die Planung der Aktivitäten des Mailänder Opernhauses bremse. Seitdem Lissner vor acht Monaten seinen Wechsel zur Opera de Paris angekündigt habe, liege im Theater alles lahm, sagte Barenboim nach Medienangaben. Er klagte über Mangel an Flexibilität in der Struktur des Theaters.

Barenboim kritisierte auch die Debatte rund um die Staatsangehörigkeit des neuen Intendanten, nachdem sich einige Politiker für die Wahl eines italienischen Nachfolgers Lissners erklärt hatten. "Ich finde es furchtbar, dass man über die Staatsangehörigkeit und nicht über die Qualitäten des neuen Intendanten diskutiert. Das erinnert mich an das Klima in Deutschland in den zwanziger Jahren", meinte Barenboim. Große Künstler wie Verdi, Boccaccio und Dante seien Italiener, aber Universalgenies gewesen.

Pereira weiterhin aussichtsreicher Kandidat

Der Mailänder Bürgermeister und Scala-Präsident, Giuliano Pisapia, berichtete am Mittwoch, dass die Entscheidung über den neuen Intendanten spätestens bis Juli bekannt gegeben werden soll. 25 Bewerber hatten sich auf die offizielle Ausschreibung der Intendanz der Scala gemeldet. Der Aufsichtsrat kann jedoch auch Persönlichkeiten wählen, die sich nicht an der Ausschreibung beteiligt haben. Der Salzburger Festspielintendant Alexander Pereira, der Kontakte zur Scala bestätigt hat, zählt laut italienischen Medien weiterhin zu den aussichtsreichsten Kandidaten für Lissners Nachfolge.

Intendant Lissner klagte darüber, dass die Scala lediglich 36 Prozent ihrer Finanzierung vom Staat erhalte. Opernhäuser ähnlicher Dimensionen in Europa würden 50 Prozent ihres Budgets vom Staat beziehen. "Die Scala erhält nicht die Unterstützung, die sie verdienen würde", meinte Lissner. Italien müsse dafür kämpfen, dass die Scala ein öffentliches Opernhaus bleibe. (APA, 24.5.2013)

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