Schluckstörungen mit Sprechtest diagnostizieren

24. Mai 2013, 11:25
4 Postings

Parkinson-Patienten sprechen leiser und monotoner als Gesunde - Ein neuer Sprechtest soll künftig mitunter lebensbedrohliche Schluckstörungen diagnostizieren

Drei von vier Parkinson-Patienten leiden irgendwann an Schluckstörungen, die zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen können. Zur Früherkennung sind die vorhandenen Untersuchungsmethoden oft zu aufwändig. Ein neuer akustischer Sprechtest könnte sich jedoch als Screening-Methode eignen, um Schluckstörungen früh zu erkennen und rechtzeitig behandeln zu können.

Verwandtschaft zwischen Schlucken und Sprechen

Von Schluckstörungen betroffene Patienten sind nicht nur von Mangelernährung bedroht, sondern können durch Verschlucken von Mundinhalt mitsamt Bakterien an Lungenentzündungen erkranken, der häufigsten Todesursache bei Parkinson. Ist die Schluckstörung einmal erkannt, kann man Gegenmaßnahmen ergreifen, etwa Getränke andicken oder Speisen pürieren. Manchmal helfen auch schon einfache Tricks wie den Kopf beim Schlucken zur Seite zu drehen. Auch ein bestimmtes Muskeltraining und Medikamente können hilfreich sein.

Bisher konnte man Schluckstörungen nur durch eine endoskopische Untersuchung des Rachens durch die Nase diagnostizieren. Die Ärzte beobachten dabei, ob beim Schlucken Nahrung oder Schleim zurückbleibt. Wenke Grönheit, Neurologin im RUB-Klinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer, setzt seit kurzem auf die enge Verwandtschaft zwischen Schlucken und Sprechen. Da an beiden Vorgängen dieselben Muskelgruppen beteiligt sind, müsste man vom Sprechen Rückschlüsse auf das Schlucken ziehen können, so ihre These.

Monotoneres Sprechen

Erste Untersuchungen von 300 Parkinsonpatienten in ihrer Dissertation brachten viel versprechende Ergebnisse: Beim Erzählen und Vorlesen fiel auf, dass Patienten nicht nur leiser sprechen als Gesunde, sondern dass auch der Abstand zwischen der höchsten und der tiefsten Silbe bei Parkinson-Patienten kleiner ist - sie sprechen also monotoner.

Auch machen sie längere Sprechpausen und werden immer leiser, wenn sie einen Ton lange halten. "Jetzt geht es uns darum, herauszufinden, ob und wie die Ergebnisse des Sprechtests mit denen der Schluckuntersuchung übereinstimmen", so Wenke. In den kommenden Monaten wird sie 30 Parkinson-Patienten mit beiden Methoden untersuchen und die Ergebnisse gegenüberstellen. Die Sprechuntersuchung ist einfach und ließe sich auch als Screening regelmäßig durchführen, um Schluckstörungen früh zu erkennen und zu behandeln. (red, derStandard.at, 24.5.2013)

Share if you care.