Di Luca erneut gedopt

24. Mai 2013, 18:31
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19. Giro-Etappe wegen Schneefalls abgesagt - Nibali vor Gesamtsieg

Mailand - Die Radprofis hatten am Freitag unerwartet frei - doch der Giro d'Italia produzierte dennoch munter Schlagzeilen. Zunächst führte der Wintereinbruch in den Alpen zur Absage der 19. Etappe, dann brach auch noch die Meldung vom positiven Dopingtest des unverbesserlichen Danilo Di Luca über das Peloton herein.

Laut der italienischen Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport, dem Hausblatt der Italien-Rundfahrt, wurde der 37 Jahre alte Giro-Gewinner von 2007 vor dem Giro-Auftakt bei einer unangemeldeten Kontrolle in seinem Haus am 29. April in der A-Probe positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet. Ihm droht als Wiederholungstäter eine lebenslange Sperre.

Wiederholungstäter

Danilo Di Luca, der aus Spoltore in den Abruzzen stammt, war bereits während des Giros 2009 zweimal positiv auf den Epo-Nachfolger Cera getestet worden. Da er mit den Behörden kooperiert hatte, war seine Sperre auf neun Monate reduziert worden. Zwei Jahre zuvor war er wegen einer Verwicklung in eine weitere Dopingaffäre für drei Monate gesperrt worden.

"Es ist wahr", sagte ein schwer getroffener Luca Scinto, Sportdirektor von Di Lucas Team Vini Fantini, dem Internetportal cyclingnews.com: "Er ist verrückt, er ist ein Idiot, er braucht Behandlung. Es gibt sonst nichts zu sagen. Wir haben ihm eine zweite Chance gegeben und die Sponsoren haben ihm Vertrauen geschenkt und so zahlt er es uns zurück. Es ist Wahnsinn, dass ein Fahrer denkt, er kommt mit so etwas davon."

Nicht einmal ein gewisser Lance Armstrong konnte angesichts der Geschehnisse an sich halten. "Ich weiß, ich habe null Glaubwürdigkeit in Doping-Fragen - aber da muss ich mir einfach denken: 'Wirklich Di Luca? Bist du so verdammt dumm?', schrieb die Hauptfigur im größten Dopingskandal der Radsport-Geschichte bei Twitter.

Der Radsportweltverband UCI sperrte Di Luca nach Bekanntwerden der positiven Urinprobe, die im WADA-Labor in Köln untersucht worden war, umgehend provisorisch.

Überraschend starke Leistungen

Zu Saisonbeginn war Di Luca noch ohne Arbeitgeber gewesen. Im April heuerte er dann beim zweiklassigen Team Vini Fantini an. Vor dem Giro hatte er lediglich zwei Eintagesrennen bestritten. Doch beim Giro überraschte er mit guten Leistungen. So belegte er im Einzelzeitfahren den zehnten Platz und stand einmal dicht vor einem Etappensieg. Seine starken Auftritte seien Folge des guten Wintertrainings gewesen, sagte Di Luca zuletzt. Er hoffe, fügte der Gewinner mehrerer bedeutender Eintagesklassiker an, noch zwei Jahre fahren zu können.

In dem von seinem Landsmann Vincenzo Nibali (Astana), der dicht vor seinem ersten Gesamtsieg steht, souverän angeführten Gesamtklassement belegte er nach 18 Etappen den 26. Platz mit einem Rückstand von 33:33 Minuten. Mit Nibalis Team war er von Medien bereits für einen Wechsel zur Saison 2014 in Verbindung gebracht worden. Das kann Di Luca sich jetzt abschminken.

Die 19. Etappe hätte auf jeden Fall schon ohne ihn stattgefunden. Dass auch der Rest des Feldes nicht an den Start musste, entschieden die Organisatoren am Freitag in der Früh. Wegen des heftigen Schneefalls wurde es als zu riskant eingestuft, die Fahrer auf die hochalpinen 139 Kilometer sowie die Pässe Gavia (2618 m) und Selvio (2758 m) ins Ziel im Martelltal (2059 m) zu schicken. Am Vorabend war noch geänderter Streckenverlauf ausgearbeitet worden, doch auch davon sah man schließlich ab.

Der Radsportweltverband begrüßte das Vorgehen ausdrücklich. "Die Veranstalter haben die Sicherheit der Fahrer an die erste Stelle gesetzt und wir unterstützen diese Entscheidung. Die Fahrer sind in dieser Woche schon unter sehr schwierigen Wetterbedingungen gefahren, aber diese Bedingungen sind einfach zu extrem", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid.

Ob die 20. Etappe am Samstag von Schlanders über 203 Kilometer zu den Drei Zinnen ausgetragen wird, ist noch nicht klar. (sid/red, 24.5.2013)

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    Vini-Fantini-Sportdirektor Scinto über Di Luca: "Er ist verrückt, er ist ein Idiot, er braucht Behandlung. Wir haben ihm eine zweite Chance gegeben und die Sponsoren haben ihm Vertrauen geschenkt und so zahlt er es uns zurück."

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