Vierfachmord in Brünn: Mutmaßlicher Täter in Washington verhaftet

24. Mai 2013, 10:19
20 Postings

20-Jähriger flog von Schwechat in die USA - Taten mit außerordentlicher Brutalität verübt

Brno (Brünn)/Wien/Washington - Der 20 Jahre alte Amerikaner, der den in der Nacht auf Mittwoch entdeckten Vierfachmord in Brünn begangen haben soll, ist in Washington verhaftet worden. Das gab die tschechische Polizei am Freitag bekannt. Der Verdächtige flog am Donnerstag mit einer AUA-Maschine von Wien-Schwechat in die USA und wurde noch an Bord des Flugzeugs von der Polizei in Gewahrsam genommen. Das Motiv für die Tat war zunächst unbekannt. Der mutmaßliche Täter ist angeblich psychisch krank.

Internationaler Haftbefehl

Der 20-Jährige aus der kalifornischen Stadt Palo Alto wird für den Mord an einem Ehepaar und dessen zwei Söhnen verantwortlich gemacht, deren Leichen in deren Wohnhaus nach einem Brand entdeckt worden waren. Die tschechische Polizei hatte gewarnt, dass Kevin D. möglicherweise noch bewaffnet sei, und einen internationalen Haftbefehl erwirkt.

Während die Suche nach dem jungen Mann aus Kalifornien offiziell noch im Gang war, wussten die Ermittler allerdings schon, dass D. in einer am Donnerstagvormittag in Schwechat gestarteten Maschine nach Washington saß. Diese Information wurde bewusst nicht veröffentlicht. Es sei nämlich zu befürchten gewesen, dass D. davon erfahre und weitere Verbrechen begehen würde. Die Besatzung des Flugzeuges sei in Kenntnis gesetzt worden, wen sie an Bord habe, erklärte der Chef der südmährischen Polizei, LeosTrzil.

Besatzung informiert

Die Besatzung des Kurses OS 093 wurde nach Angaben eines Airline-Mitarbeiters erst geraume Zeit nach dem Start um 10.30 Uhr über Funk informiert, dass sich der verdächtige 20-Jährige an Bord der Maschine befand. Die Crew erhielt die Anweisung, jeden Eindruck zu vermeiden, dass der als extrem gefährlich einzuschätzende junge Passagier als mutmaßlicher Vierfachmörder erkannt worden sei.

Nicht zuletzt aus diesem Grund sei auch die Überlegung, eventuell umzukehren und in Wien oder in Bratislava zu landen, verworfen worden, hieß es. Die Situation für die Crew war insofern heikel, als sie mit dem international gefahndeten Mann sozusagen allein war. Mutmaßliche Straftäter als Passagiere sind an sich zwar nicht außergewöhnlich, befinden sich aber in der Regel in Begleitung von Polizeibeamten.

Polizei: "Außerordentliche Brutalität"

Die Ermittler in Brünn sprachen bei einer Pressekonferenz am Freitag von "außerordentlicher Brutalität", mit der die vier Menschen getötet wurden. "Das Motiv kennen wir nicht. Es ist für mich schwer begreiflich. Ich so etwas noch nie gesehen", sagte der leitende Kriminalist Antonin Hrdlicka. Kevin D. habe verschiedene Waffen, nicht aber Schusswaffen, verwendet.

Da die Opfer in zeitlichen Abständen getötet worden seien, handle es sich offenbar nicht um Taten, die im Affekt begangen wurden, so Hrdlicka. Angaben, wonach die Verbrechen mit Messern verübt und die Leichen in eine Garage gebracht, in Textilien verpackt und angezündet wurden, wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen. Der mutmaßliche Täter soll etwa zwei Wochen bei den Opfern gewohnt haben. Mit der Familie - Eltern und zwei Söhne, einer 24, der andere im Teenageralter - war er verwandt.

Zwei Monate Zeit für Auslieferungsantrag

Auf welchem Weg der mutmaßliche Täter von Brünn nach Wien reiste, wussten die tschechischen Ermittler nach eigenen Angaben noch nicht. Sie hoffen diesbezüglich auf Hinweise aus der Bevölkerung. Darüber hinaus versuchen sie, das Motiv für den Vierfachmord zu ergründen. Das tschechische Justizministerium hat nun zwei Monate Zeit, um die Auslieferung des 20-Jährigen zu beantragen. Ob die US-Behörden dem Ansuchen nachkommen, ist allerdings ungewiss: Die Vereinigten Staaten liefern eigene Bürger in der Regel nicht aus. (APA, 24.5.2013)

Share if you care.