RBI: Montag soll Stepic-Nachfolge stehen

24. Mai 2013, 10:28
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Der Raiffeisen-Chef war wegen Offshore-Geschäften in die Kritik geraten, er selbst will nach bestem Wissen gehandelt haben

Der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, stellt seine Funktion als CEO "aus persönlichen Gründen" zur Verfügung. Darüber habe er den Vorsitzenden des RBI-Aufsichtsrats, Walter Rothensteiner, informiert, teilte die Bank mit. Die Gremien der RBI würden über diesen Vorschlag umgehend beraten, Stepic werde seine Funktion bis zur Entscheidung weiter ausüben.

Stepic war in die Kritik geraten, weil er drei Wohnungen in Singapur über zwei Offshore-Firmen gekauft und den Deal nicht seinen Gremien mitgeteilt hatte. Der RBI-Aufsichtsrat hatte ebenso wie die Finanzmarktaufsicht (FMA) angekündigt, den Deal zu prüfen. Auch Nationalbank-Chef Ewald Nowotny wollte sich das Geschäft ansehen.

Vor zahlreichen Journalisten erklärte Stepic Freitagvormittag bei einer Pressekonferenz seine Beweggründe: Er habe seine Investments nach bestem Wissen getätigt, es handle sich nicht um Offshore-Konstrukte, da die Gelder für die Investments in Österreich ordnungsgemäß versteuert worden seien. Die Entscheidung, seinen Posten zur Verfügung zu stellen, habe der "Oldtimer" - wie er sich selber nennt -, der sich den alten Werten verpflichtet fühlt, aus Verantwortung gegenüber dem Unternehmen getroffen. Seinem Lebenswerk der letzten 40 Jahre wolle er nicht nachhaltig schaden. In einer Aussendung hieß es, der RBI-Aufsichtsrat "anerkennt diesen Schritt Stepics als Zeichen der großen Verbundenheit mit dem Unternehmen".

Besonderen Dank sprach Stepic seinen 60.000 Mitarbeitern aus, die "hackeln wie die Bösen". Er gehe unter Umständen, die er sich anders vorgestellt habe, aber im Bewusstsein, das Beste gegeben zu haben. Nach APA-Informationen dürfte sein Nachfolger am Montag präsentiert werden.

Schiefe Optik

Stepic war im Vorfeld zwar nicht öffentlich kritisiert worden, doch dürfte der interne Druck zu groß geworden sein. Für ihn war es auch nicht der erste Deal mit einer schiefen Optik. Ebenfalls diese Woche wurde bekannt, dass die FMA ihre Prüfung seines Immo-Deals in Serbien beendet habe. Die FMA hat kein formelles Verfahren eingeleitet, er konnte daher seinen Job als CEO weiter ausüben. Ins Visier der FMA war Stepic wegen der Finanzierung eines privaten Immobiliendeals in Serbien geraten, den der Banker - bzw. sein Treuhänder - mit anderen Investoren über die Kärntner Hypo Alpe-Adria machte. Dabei hatte es eine ungewöhnliche Wertsteigerung des Objekts gegeben. Stepic konnte der FMA jedoch nachweisen, dass er aus der Finanzierung ausgestiegen sei. Hypo-intern laufen die Ermittlungen weiter.

Sollte der Aufsichtsrat Stepics Rücktritt annehmen, tritt einer der profiliertesten Banker des Landes von der Bühne ab. Er gilt als Architekt und Motor der Ostexpansion der RBI und hat Raiffeisen zu "einer führenden Bank in zentral- und Osteuropa und zu einer anerkannten Marke in der internationalen Finanzwelt gemacht", wie ihn sein Aufsichtsratspräsident Rothensteiner anlässlich eines Geburtstags feierte. Rothensteiner muss am Freitag über Stepics Rücktritt entscheiden.

Nachfolge offen

Stepic ist seit 2001 Chef der damals noch unter Raiffeisen International firmierenden Bank. Sein Vertrag wäre noch bis Ende 2015 gelaufen. Wer sein Nachfolger werden könnte, ist offen. "Es wird jemanden geben müssen, der eine ähnliche Vision und Auftreten hat und die Strategie weiter umsetzt. Die Frage ist, wer das ausfüllen kann - mit einer solchen Erfahrung, wie er sie hat", sagte der Analyst Günther Hohberger. Stepics Stellvertreter ist der in der Öffentlichkeit wenig bekannte Karl Sevelda, der für die Geschäftskunden der Bank zuständig ist. (APA/red, derStandard.at, 24.5.2013)

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    Herbert Stepic tritt aus Rücksicht zu Raiffeisen ab.

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