Mit der Wut der Verzweiflung in die Verlängerung

23. Mai 2013, 21:50
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Oberwart putzt den BC Vienna 97:72 - Spiel vier am Samstag erneut im Burgenland

Oberwart - Mit der Wut der Verzweiflung lässt sich durchaus Tempo machen. So haben es die Oberwart Gunners exerziert, so hat es der BC Vienna erstmals am eigenen Leib in der Finalserie der Admiral Basketball Bundesliga (ABL) erfahren. Die Burgenländer wehrten mit einem 97:72-Heimsieg den ersten Matchball von Vienna ab. Aus einer eintönigen wird also vielleicht doch noch eine delikate Final-Angelegenheit. Spiel vier steigt schon am Samstag, 25. Mai um 18 Uhr in Oberwart, ist sozusagen der Aperitivo zum Champions-League Finale der germanischen Kicker. Der BC Vienna führt immer noch mit 2:1, hat also noch zwei Chancen, sich den Schampus ins Gesicht zu schütten.

War Spiel zwei noch von einem Skandal angehaucht (Zeitnehmung!), so gab es diesmal nicht den leistesten Hauch eines Zweifels. Oberwart überrollte den BC Vienna von Beginn an. Nach dem ersten Viertel führten die Heimischen schon 23:14, Oberwarts Scoring-Maschine Seamus Boxley verbuchte zu diesem Zeitpunkt bereits 13 Punkte mehr als im gesamten letzten Duell. 

Verzwickt

Die sogenannten "Close-out-Games", in denen es bekanntlich darum geht, den Sack zu zumachen, sind psychologisch durchaus knifflig. Vor allem für das Team, das mit dem Pokal schon mit einem Fuß unter der Meisterdusche steht. Der BC Vienna sollte sich vielleicht nun einmal eine kalte Brause gönnen, schlechter kann es nicht mehr werden. In Halbzeit eins waren nur Shawn Ray (aus der Distanz) und Ryan Richards offensiv sichtbar, neben haarsträubenden Ballverlusten wurde den Oberwartern der Weg zum Korb artig freigemacht. Bezeichnend war auch der künstlerische Versuch Viennas, den Ball im zweiten Viertel mehrmals hintereinander zu Turm Maurice Pearson unter den Korb zu bringen, dem aber umringt von einer burgenländischen Phalanx, die Kugel immer wieder wie eine heiße Kartoffel aus den Händen entglitt. 

Im zweiten Durchgang fuhren die Oberwarter endgültig im Ferrari, Ochsenhofer und der endlich erwachte Darnell Hinson versenkten die Dreier so automatisch wie sich der Otto Normalbürger die Zähne putzt. Bei den Wienern fing Stjepan Stazic an, sich an seinen majestätischen Wurf aus früheren Tagen zu erinneren und traf dreimal in Folge aus der Distanz. Vienna kam im dritten Viertel noch einmal kurz auf 50:56 heran, dann war aber Ende im Gelände. Ingesamt waren die Gäste zu passiv, vom üblichen Variantenreichtum in der Offensive war nichts zu erkennen. Oberwart spielte mit gewaltig viel Adrenalin im Blut, wie es sich für ein "do-or-die-game" gehört. Im Schlussakt zogen die "Gunners" endgültig davon.

Verdient geht dieses Duell in die nächste Runde, mit einer aus burgenländischen Sicht bärenstarken Trefferquote aus dem Feld (knapp 60 Prozent) darf man sich aber eigentlich auch nicht frühzeitig aus dem Finale verabschieden. Oberwart  war erstmals in der Finalserie - wenn auch knapp - am Rebound stärker (32:30). Dazu verzeichneten die Sieger nur halb so viele Ballverluste (8:16) und durften sich nicht zuletzt auf ihre Bank verlassen. 27 Punkte steuerte die Bankspieler bei, die der Wiener hingegen nur 19. Auch das war ein Unterschied zu den Finalbegegnungen eins und zwei. Und der BC Vienna? Der darf sich schon einmal anschnallen. 

Nur 45 Stunden

Dass das Team von Andrea Mahgelli nur knapp 45 Stunden nach dem Ende der dritten Finalbegegnung anders auftreten wird müssen, um vorzeitig den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte sicherzustellen, weiß auch der Coach der Wiener: "Wir müssen am Samstag mental bereit sein, mehr Energie aufs Parkett bringen und vor allem viel besser verteidigen." (Florian Vetter, derStandard.at, 23.5.2013)

Ergebnis Basketball-Bundesliga (ABL) vom Donnerstag - Finale (best of five), 3. Spiel:

Redwell Gunners Oberwart - BC Zepter Vienna 97:72 (46:31). Beste Werfer: Hinson 24, Boxley 20 bzw. Richards 18, Stazic 16.

Stand in der Serie: 1:2. Nächstes Spiel am Samstag (18.00) neuerlich in Oberwart.

 

  • Tadellos: 24 Punkte, sieben Rebounds, sieben Assists für Oberwarts Seamus Boxley. 
    foto: gunners/steflitsch

    Tadellos: 24 Punkte, sieben Rebounds, sieben Assists für Oberwarts Seamus Boxley. 

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