Sprachförderkonzept für Schulen: Billigdeutsch

Kommentar23. Mai 2013, 18:44
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Die Sprachförderung darf keine zusätzlichen Kosten verursachen - Das ist ein realitätsfremder, alibihaft anmutender Zugang

Es ist gut gemeint, es beinhaltet viele richtige Ansätze, und beide - Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) - stehen glaubhaft dafür, es ernst zu meinen mit ihrem Bemühen um möglichst gute Sprachförderung für Kinder, weil ihnen die Tragweite des Gelingens dieses nationalen Sprachprojekts bewusst ist. Aber das "Konzept", das sie am Donnerstag vorgelegt haben, erfüllt die hohen Ansprüche an so ein hehres Vorhaben sicher nicht.

Präsentiert wurde ein "Sprachförderungskonzept" ohne einen einzigen zusätzlichen Euro für all die schönen Modelle, die die Direktorinnen und Direktoren künftig an ihren Schulen anbieten können - standortgerecht von "integrativ" (das freut die SPÖ) bis "intensiv" (für die ÖVP).

Wer will, kann die "Deutsch-Kinder" segregieren. Wer das nicht will, kann es in der bunt gemischten Klasse probieren. Oder sich irgendetwas anderes einfallen lassen, um die Kleinen zu großer Meisterschaft in Deutsch zu führen. Versuch und Irrtum erlaubt, nur kosten darf's nichts - oder etwas anderes in der Schule muss dafür billiger werden.

Das ist ein realitätsfremder, alibihaft anmutender Zugang, weil er unterstellt, dass Sprachförderung, die auch gelingt, so nebenbei aufgestellt und mitgemacht werden könnte, wenn sie nur wollten, die Schulen. Sie wissen aber, wie es ginge. Sie kämpfen jeden Tag damit. Vor allem wissen sie: An ihrem Wollen liegt es nicht. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 24.5.2013)

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