Zum Geburtstag viel Unglück

23. Mai 2013, 18:40
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Wagner wurde endlich 200 - und der Staatsopern-"Ring" mit der "Götterdämmerung" vollendet

Wien - Es ist vollbracht. Als Punktlandung zum 200. Geburtstag seines Schöpfers präsentierte die Staatsoper den unglücksprallen Showdown seines Dreieinhalbteilers, die Götterdämmerung. Auf einem Extrabillett wies das Haus darauf hin, dass hier bereits "an mehr als 5.400 Abenden" Aufführungen von Wagner-Opern stattgefunden haben. Eine davon, Lohengrin im März 1876, hat der Sachse selbst geleitet - da waren die Schulden und das Scheitern von Tristan und Isolde schon lange vergessen.

Die Götterdämmerung von Sven-Eric Bechtolf und Rolf Glittenberg (Bühne) müsste korrekterweise "das Götterdunkel" heißen. Zum Glück mühte sich das Staatsopernorchester unter der Leitung Franz Welser-Mösts, all das szenische Bleigrau auf der Bühne vergessen zu machen. Dynamik, kontrollierte Ungeduld, innige Lyrik: alles da. Auch Komik: Zu Beginn des dritten Aufzugs sorgte ein Ausritt des Blechs in partiturfernes Terrain für Amüsement. Jubel für Welser-Möst.

Kollektive Begeisterung auch für Nina Stemme zum Abschluss ihrer souveränen Brünnhilden-Serie. Howard-Carpendale-nett Stephen Gould als Siegfried, vokal solide, gleichförmig. Unscheinbar Boaz Daniel (Gunther), oben schön flackernd Caroline Wenborne als Gutrune, von edel-glänzender Dunkelheit Elisabeth Kulmans Waltraute, okay Wolfgang Bankl als Alberich.

Am eindrücklichsten aber John Tomlinson als Hagen: Stimmlich schon limitiert, setzte der Brite Maßstäbe in Sachen Intensität, Variabilität und Ausstrahlung. Trotzdem möchte man mit Hagen sagen: Zurück vom Ring!  (Stefan Ender, DER STANDARD, 24.5.2013)

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