Blau, Grün und Gelb

Kolumne23. Mai 2013, 18:38
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Die FPÖ beschwört erneut die ungezügelte Zuwanderung

Wahlkampf der Freiheitlichen - das ist, als träte man alle paar Jahre in denselben Hundehaufen. Tat FPÖ-Chef Strache zunächst so, als wäre er gar nicht darauf angewiesen, seinen Anspruch auf den Bundeskanzler mit der Beschwörung der Ausländergefahr untermauern zu müssen, erklärte er diese später zur Querschnittmaterie, was verharmlosend klingen, in Wirklichkeit jedoch eine Verschärfung darstellen sollte: Jetzt sollen die Ausländer nicht mehr nur das deutsche Österreich umvolken, jetzt sollen sie überhaupt an allem schuld sein, an den hohen Mieten ebenso wie an den hohen Preisen, an der Kriminalität wie am Mangel an Arbeitsplätzen und warum nicht auch an der von Sozialschmarotzern eingeschleppten Tuberkulose? Die ungezügelte Zuwanderung, die schon einmal, obwohl von den selbsternannten Österreich-Rettern als sicher angekündigt, nicht eingetreten ist, wird neuerlich beschworen - für mehr als die evident unsinnige Forderung nach "Negativzuwanderung" reicht's einfach nicht.

Das Idol und stilistische Vorbild Jörg Haider als Schurke entlarvt, Landesfunktionäre, die den Führerbefehl eines Abgangs frech so lange verweigern, bis sie anderweitig entschädigt werden, eine neue Rechtspartei im Unterholz des politischen Hinterwaldes, noch dazu eine, bei der Geld keine Rolle spielt - und gerade jetzt, wo einem ein Werber Rumpold mit einer Kampagne à la "Er hat euch nie belogen" aus der Patsche helfen könnte, ist dieser unabkömmlich und könnte die FPÖ womöglich noch einen von der Telekom einst abgezweigten Batzen kosten. Die Vorstellung, neuerlich fünf Jahre in Bierzelten und Discos den von Kickl gesteuerten Avatar geben zu sollen, müsste Strache die Rückkehr zur Zahntechnik allmählich erstrebenswert erscheinen lassen. In anderen Parteien wird erfolgloses Führungspersonal gelegentlich ausgetauscht. Aber dort herrscht ja auch kein Mangel an genialem Nachschub.

Und jetzt verschärft sich die Isolation der FPÖ auch noch! Aus prinzipiellen Gründen niemals mit Strache, beteuern die Grünen, was schon ein wenig ungerecht wirkt, wenn die prinzipielle Vorstellung einer Koalition mit dem Team Stronach, unbehindert von ein wenig Bauchweh, wohlwollend als den Grünen zumutbar ins Auge gefassst wird. In diesem Team ist man gegen Zuwanderung von Ausländern ja nur, wenn sie "aus karitativen Gründen" (so Robert Lugar) erfolgt. Aber dass die Art, wie dieses Team zusammengekauft wurde und wie es im Kadavergehorsam zu einem unberechenbaren Guru geführt wird - von dessen demokratiepolitischen Vorstellungen abgesehen -, die Grünen nicht von vornherein abhält, nach der Pfeife der ÖVP zu tanzen, wird manchen, aber nicht mehr jeden verwundern. Die grüne Akrobatennummer in Opportunismus, die zwischen Wien und Salzburg zuletzt abgezogen wurde, war die Bestätigung der Ankunft im Zirkus der Etablierten. Hehre Grundsätze im Bund verdampfen mit der Entfernung.

Wer weiß, wann auch dort. Ob sich die Grünen von einem Wahlverlierer Haslauer eine Koalition mit Stronach aufzwingen lassen, nur weil der die SPÖ um jeden Preis weghaben will, wird zu einer Frage ihrer Glaubwürdigkeit. (Günter Traxler, DER STANDARD, 24.5.2013)

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