Rumpolds wundersamer Preisnachlass

23. Mai 2013, 18:23
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In einem Steuerverfahren bezeichnete der angeklagte Ex-FPÖ-Werber Gernot Rumpold den 600.000-Euro-Auftrag der Telekom Austria als Kompensation für entgangene Aufträge von der FPÖ. Das holt ihn nun vor Gericht ein

Wien - Mehr Verwirrung als Aufklärung stiftete Ex-FPÖ-Werber Gernot Rumpold am Tag 2 des zweiten Telekom-Prozesses im Wiener Straflandesgericht. Eingeholt hatte ihn am Donnerstagvormittag eine umfangreiche Betriebsprüfung des Finanzamts in seiner Agentur MediaConnection Austria, die Mitte der 2000er-Jahre zu einer saftigen Steuernachzahlung geführt hätte.

Der Grund: Der Steuerprüferin, die im Juni als Zeugin befragt werden soll, sei nicht erklärlich gewesen, warum Rumpold - nach Knittelfeld und dem Bruch mit Jörg Haider im Jahr 2002 - seinem verlorenen Großkunden FPÖ über die Jahre kleinere Honorarbeträge und Altschulden erlassen hatte, ohne zuvor nachweislich versucht zu haben, diese einzutreiben oder -klagen. Ergo habe die Finanzbeamtin die Altschuldennachlässe als verdeckte Gewinnausschüttung klassifiziert, schilderte Rumpold die Vorgänge vor neun Jahren.

Um aus dieser Nummer wieder herauszukommen, habe ihm sein - im Vorjahr verstorbener - Steuerberater zu folgender Erklärung geraten: Die Forderungen gegen die FPÖ seien zwar uneinbringlich gewesen und daher abgeschrieben bzw. ausgebucht worden, aber durch jenen 600. 000-Euro-Auftrag der Telekom Austria (TA) kompensiert worden, den Media Communication auf Vermittlung des - ebenfalls wegen Untreue angeklagten - ehemaligen TA-Prokuristen Michael Gassauer im Frühjahr 2004 erhalten habe.

Ob die Finanzverwaltung diese Erklärung akzeptierte, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass selbiger Telekom-Auftrag Rumpold jede Menge Ärger eingebracht hat, konkret den aktuellen Prozess wegen Untreueverdachts. Denn die Staatsanwaltschaft Wien qualifiziert Rumpolds an die TA gelieferte Konzepte als Scheinaufträge und argwöhnt, er habe die auf mehrere Rechnungen verteilten "Zahlungen aus dem Vermögen der Telekom Austria Aktiengesellschaft auf Rechnung der Freiheitlichen Partei" entgegengenommen. Was Rumpold vehement bestreitet. Es habe keinerlei Konnex zwischen TA-Aufträgen und FPÖ-Schulden gegeben, wurde der frühere Intimus des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns und FPÖ-Obmanns Jörg Haider nicht müde zu betonen.

Die zeitliche Koinzidenz fand offensichtlich auch der Vorsitzende des Schöffensenats, Richter Michael Tolstiuk, originell. Er fragte penibel nach den verschollenen Konzepten, die außer in einem Panzerschrank bei einem TA-Prokuristen nirgends aufgefunden wurden.

Auch die wundersame Honorarreduktion provozierte Fragen. Ursprünglich hatte Rumpold, der bestritt, den TA-Auftrag ausschließlich einer Intervention Haiders beim ebenfalls angeklagten Ex-TA-Festnetz-Chef Rudolf Fischer zu verdanken, mit 1,5 Mio. Euro gerechnet. Geworden sind es nur 600.000 Euro. "Weil die TA nicht mehr so viel Geld für eine österreichweite Werbe- und Marketingkampagne ausgeben wollte", sagte Rumpold unter Berufung auf Angaben seines KontaktmannS bei der TA, Michael Gassauer. Die TA habe gebremst, sie habe mit der Internetmarke Jet2web bereits 15 Millionen versenkt. Also habe er die in der Branche üblichen ein Prozent Honorar eben nur vom erwarteten Etat von fünf Millionen verrechnet.

Die Differenz zu den uneinbringlichen FPÖ-Schulden von 1,3 Mio. Euro zuzüglich 277.000 Euro an Vorleistungen und Spesen für den Nationalratswahlkampf 2002 erklärt dies freilich nicht hinreichend. Auf die 277.000 Euro verzichtete Rumpold und von den 1,3 Mio. Euro bekam er nur die Hälfte. "Stimmt nicht", konterte Rumpold. Er habe jede Menge FPÖ-Aufträge bekommen, jedenfalls so viel, dass er auf die Differenz verzichten und das Schiedsverfahren gegen die Blauen einstellen konnte. Letzteres war eingeleitet worden, weil die FPÖ ihren Pauschalvertrag mit Rumpold weder bezahlte noch Leistungen abrief. (Luise Ungerböck, DER STANDARD, 24.5.2013)

  • Glasklar war auch am zweiten Tag des zweiten Telekom-Prozesses nur, dass die Telekom viel Geld für Marketingkonzepte ausgab, die nicht bei Kunden, sondern im Panzerschrank landeten.
    foto: standard/cremer

    Glasklar war auch am zweiten Tag des zweiten Telekom-Prozesses nur, dass die Telekom viel Geld für Marketingkonzepte ausgab, die nicht bei Kunden, sondern im Panzerschrank landeten.

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