Kein Ferrari, dafür eine Meisterschaft

23. Mai 2013, 17:31
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Die Austria hofft nach dem Meistertitel noch auf eine makellose Auswärtsbilanz sowie das Double und träumt von der Champions League

Wien - Das grellgelbe Meister- T-Shirt war von der jüngsten Dusche mit Grazer Bier noch waschelnass, als Austrias Manuel Ortlechner sagte: "So, jetzt trinken wir noch eines, und dann gehen wir heim. Wir haben am Sonntag gegen Salzburg ein schweres Spiel." Für den Wimpernschlag einer Libelle blieb die Miene des 33-jährigen Kapitäns bierernst. "Sicher nicht", sagte er dann. Und das breite Grinsen im Gesicht wollte so gar nicht mehr verschwinden.

Peter Stöger hatte nach dem Meisterstück in der Generali Arena für die ausgelassene Stimmung der Seinen vollstes Verständnis. Dass die Sympathiewerte für den Trainer nicht vollends durch die Decke schossen, war dann nur konsequenter Professionalität geschuldet. Schon am Donnerstag um 15 Uhr versammelte Stöger seine Truppe wieder auf dem Trainingsplatz. "Die Jungs können in die Geschichte eingehen", stellte er den Austrianern das nächste Zuckerl in Aussicht. Denn erreichen die Wiener zum Abschluss der Bundesligasaison beim entthronten Titelverteidiger zumindest ein Unentschieden, haben sie eine ganze Saison lang auswärts nicht verloren. Den Punkterekord von Sturm Graz (81) aus der Saison 1997/98 hat sich die Austria (82) so oder so schon geschnappt. Und am 30. Mai geht es im Cup-Finale gegen Regionalligist Pasching noch um das elfte Double.

"Das war eine überragende Saison", sagte ein gerührter Stöger. "Die Jungs haben sich alles hart erarbeitet. Wir haben uns hohe Ziele gesteckt. Die Mannschaft hat darauf unösterreichisch reagiert - und dieses Ding beinhart durchgezogen."

Dass Fußball auch ein "Scheißspiel" sein kann, wie Rapids Extrainer Ernst Dokupil zu sagen pflegte, musste die Austria noch vor einem Jahr bitter erfahren. Mit Trainer Ivica Vastic wurde mit Rang vier die Europacup-Teilnahme verpasst. Dabei standen im letzten Ligamatch gegen Sturm (1:3) acht Akteure auf dem Feld, die ein Jahr später glorreich Meisterehren empfangen sollten. "Damals haben sich die Spieler anhören müssen, dass sie nicht qualifiziert genug sind, das Austria-Trikot zu tragen", sagte Stöger. Das Gegenteil sei der Fall gewesen: "Ich habe noch nie mit einer Mannschaft gearbeitet, die so eisern und diszipliniert für den Erfolg gearbeitet hat."

In der peinlichen Klatsche vom Vorjahr machte Kapitän Ortlechner, der seit 2009 in Favoriten spielt, dann auch eine Essenz des jüngsten Triumphs aus. "Aus dieser Zeit haben wir sehr viel mitgenommen. Wir haben heuer unglaublich viele Siege eingefahren, aber wir sind damit demütig umgegangen. Keinem ist das zu Kopf gestiegen, keiner hat sich einen Ferrari oder so gekauft, jeder hat hart weiter gearbeitet. Und das war das Entscheidende."

Die Glückwünsche vom einzig ernst zu nehmenden Konkurrenten Red Bull Salzburg nahmen die Wiener gerne entgegen. Wie man den ungleich finanzkräftigeren Klub derart in die Schranken weisen konnte, umschrieb Ortlechner folgendermaßen: "Leidenschaft schlägt Kommerz." Linksverteidiger Markus Suttner ergänzte: "Bei uns ist jetzt keiner fünf Millionen Euro wert. Aber mit dem Teamspirit haben wir viel wettgemacht."

Dass dieser erhalten bleibt, dafür wollen die AG-Vorstände Markus Kraetschmer (Wirtschaft) und Thomas Parits (Sport) sorgen. Zahlreiche Spieler wie Suttner oder Torschützenkönig Philipp Hosiner haben sich ins Rampenlicht gespielt, Trainer Stöger wurde mit Werder Bremen in Verbindung gebracht. Der deutsche Klub einigte sich allerdings am Donnerstag mit Robin Dutt. Der Sportdirektor des deutschen Fußball-Bundes (DFB) soll Thomas Schaaf folgen. Nur die Freigabe des DFB steht noch aus.

"Wir wollen die Mannschaft zusammenhalten. Und wir wollen Stöger langfristig binden, egal wer kommt", sagte Kraetschmer. Die Aussicht auf die Champions League könnte ein gewichtiges Argument bei Verhandlungen werden. Kraetschmer: "Diesem Team ist es zuzutrauen." Die Austria steigt wie Salzburg in der dritten Qualifikationsrunde ein. Übersteht man diese, wäre zumindest die Europa League fix erreicht. (David Krutzler, DER STANDARD, 24.5.2013)

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    Glückseligkeit in Favoriten: Manche Fans bejubelten den 24. Meistertitel der Wiener Austria, als wäre es ihr erster.

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    Trainer Stöger hatte mit seinem Team eine rechte Freude.

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