Schulen sollen autonom über Sprachförderung entscheiden

23. Mai 2013, 15:51
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Koalition regelt Sprachförderung per Erlass neu - Kein zusätzliches Geld

Ein mediales Rennen zwischen Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Integrationsstaatsekretär Sebastian Kurz (ÖVP) hat ein Ende, am Donnerstag präsentierten die Regierungskollegen einen Kompromiss zur Sprachförderung. Kernpunkt der Maßnahmen: Die Kenntnisse der deutschen Sprache sollen zukünftig stärker bei der Bestimmung der Schulreife berücksichtigt werden. Dies wird per Erlass geregelt.

Standort entscheidet Sprachförderung

Wie die Sprachförderung genau ausgestaltet wird, ist den Schulen überlassen, die "Kompetenzen am Standort" sollen genutzt werden, so Schmied, Nachsatz: "Das wird in Reichenau an der Rax anders gelingen als am Reumannplatz." Direktoren der Volksschulen obliegt autonom die Entscheidung, ob das jeweilige Kind mit Sprachdefiziten in einer Vorschulklasse, einer Sprachfördergruppe oder in einem Mischmodell die Deutschkenntnisse verbessern soll.

Schmied gab sich bei der Präsentation des Konzepts bewusst pathetisch, die Sprachförderung sei "zentral für die Weiterentwicklung unsere Landes". Gemeinsam mit Kurz präsentierte sie das Konzept, an dem auch der ehemalige Vorarlberger Bildungslandesrat Siegfried Stemer (ÖVP) mitgearbeitet hat. Beim Übergang vom Kindergarten zur Volksschule soll der "Informationsaustausch" verbessert werden, Sprachförderung müsse aber auch ein "durchgängiges Ziel" sein, so Schmied, und mit der Leseförderung gemeinsam ein durchgängiges Prinzip werden.

Diagnoseleitfaden

Das Ministerium wird zur Bestimmung der Schulreife einen Diagnoseleitfaden erlassen, bislang musste beim Schuleintritt lediglich festgestellt werden, ob die Kinder "körperlich oder geistig überfordert" sind oder nicht. Nun werden Deutschkenntnisse besonders berücksichtigt.

Für Schmied sind die Sprachkenntnisse für den Bildungserfolg der Kinder besonders wichtig: "Bildungserfolg ist in Österreich nur mit entsprechender Kenntnis der deutschen Sprache möglich." Bis zum Alter von spätestens zehn Jahren sollen alle Kinder die deutsche Sprache entsprechend beherrschen.

Förderung für QuereinsteigerInnen

"Deutsch wird Kriterium für Schulreife, wer nicht Deutsch kann, muss gefördert werden", sagte Kurz zur Einigung. Verbessert werden soll auch die Situation für jene rund 7.000 SchülerInnen, die als QuereinsteigerInnen während des Schuljahrs nach Österreich kommen.

Modellregionen

Ab dem Schuljahr 2013/14 werden zudem in jedem Bundesland Modellregionen eingerichtet, in denen verschiedene Sprachfördersysten getestet werden, jeweils in Begleitung der Pädagogischen Hochschulen. Mehr Mittel stehen vorerst jedoch nicht zur Verfügung, kommt es zu einer flächendeckenden Einführung dieser Sprachförderung sollen zusätzliche Mittel aber benötigt werden. Doch auch ohne sie soll die Reform der Sprachförderung Wirkung zeigen, geht es nach Bildungsministerin Schmied: "Qualität ist nicht immer eine Frage der Quantität der Mittel."

Zweites Kindergartenjahr

Nicht enthalten in dem Konzept ist ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr: "Die Forderung nach einem zweiten Kindergartenjahr ist nach wie vor da. Wir hätten es vor allem gerne für jene, die schlecht Deutsch können. Das muss auf jeden Fall ein Fixpunkt im Regierungspaket sein", sagte Kurz. Auch Schmied ist für ein weiteres verpflichtendes Kindergartenjahr, will aber auch ganztägige Schulformen ausbauen.

Kurz hatte bislang eine gesetzliche Lösung bei der Verankerung der Deutschkenntnisse für die Schulreife gefordert, nun gibt er sich dennoch zufrieden, ein Erlass sei auch verbindlich. Es sei ein guter Kompromiss, insbesondere kurz vor der Wahl: "Wir sind nicht mit dem Rennauto unterwegs, sondern mit einem Mittelklassewagen. Das ist besser als mit dem Rad oder zu Fuß."

Kritik der Opposition

Kritik gibt es von Seiten der Opposition an den Plänen der Regierung. Das BZÖ vermisst ein Finanzierungskonzept. "Es kann nicht sein, dass es vom Goodwill einzelner Ministerien abhängt, ob Sprachförderkonzepte umgesetzt werden", so Bildungssprecherin Ursula Haubner in einer Aussendung.

Die Grünen wiederum sehen durch die stärkere Abhängigkeit der Schulreife von Deutschkenntnissen die Chancengleichheit gefährdet. Statt einer Aufteilung der Kinder in "normale" Klassen und Vorschulklassen setzen sie auf eine flexible Schuleingangsphase. "Wir haben daher unser Modell der Grundstufe I, das den Stoff der ersten und zweiten Klasse Volksschule umfasst und in dem Kinder in einer flexiblen Schuleingangsphase je nach Vorwissen und in Absprache mit den Eltern ein bis drei Jahre Zeit haben, um den Stoff zu lernen", so der Grüne Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung.

Die FPÖ hält die Regierungspläne dagegen für "rot-schwarze Ankündigungspolitik", die man schon zur Genüge kenne. "Prinzipiell fände ich es erfreulich, wenn unsere Konzepte Realität werden. Allein mir fehlt der Glaube", so der Wiener FPÖ-Klubchef Johann Gudenus. (seb, APA, derStandard.at, 23.5.2013)

  • Sebastian Kurz und Claudia Schmied präsentierten am Donnerstag das Konzept zur Sprachförderung.
    grafik: der standard

    Sebastian Kurz und Claudia Schmied präsentierten am Donnerstag das Konzept zur Sprachförderung.

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