Forscher finden Parallelen zwischen Alzheimer und Prionenerkrankungen

25. Mai 2013, 17:50
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Neue Erkenntnisse zur Entstehung und Ausbreitung der Alzheimerkrankheit im Gehirn

Basler Forscher haben erstmals im Modell nachgewiesen, wie bei der Alzheimerkrankheit und verwandten Demenzformen bestimmte Proteinablagerungen im Gehirn entstehen und sich danach ausbreiten. Dabei stießen die Wissenschafter auf interessante Parallelen zu Prionenerkrankungen.

Morbus Alzheimer ist die häufigste Demenzform, von der in Europa rund 7,3 Millionen Patienten betroffen sind. Bei der Krankheit kommt es im Gehirngewebe zu zwei Hauptveränderungen: einerseits Plaqueablagerungen außerhalb der Nervenzellen und anderseits Neurofibrillenveränderungen innerhalb der Nervenzellen, die aus abnorm gefaltetem Tau-Eiweiß bestehen. Neben der Alzheimerkrankheit gibt es noch eine Vielzahl weiterer neurologischen Erkrankungen, bei denen sich abnorm gefaltetes Tau-Eiweiß im Gehirn ablagert, jedoch in unterschiedlicher Form und je nach Erkrankung auch in verschiedenen Zelltypen. Diese Erkrankungen werden als "Tauopathien" bezeichnet. Unklar blieb bislang, weshalb und wie es zu diesen unterschiedlichen Tau-Ablagerungen kommt, nicht zuletzt deshalb, weil der Forschung bisher ein geeignetes Modell fehlte.

Der Forschungsgruppe um Markus Tolnay vom Institut für Pathologie des Universitätsspitals und der Universität Basel ist es nun in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern gelungen, erste Antworten darauf zu geben, und zwar anhand eines transgenen Mausmodells.

Menschliches Gehirnmaterial in Mäusehirnen

Dafür spritzten sie Hirnextrakte von an verschiedenen Tauopathien verstorbenen Patienten, darunter auch Alzheimerpatienten, in das Gehirn von jungen Empfängermäusen. Bei diesen entwickelten sich am Injektionsort bereits nach einem halben Jahr erste Tau-Veränderungen, die sich danach weiter im Gehirn ausbreiteten.

Die erstaunlichste Erkenntnis war, dass die pathologischen Hirnveränderungen in den Maushirnen denjenigen der menschlichen Erkrankungen sehr ähnlich waren und dieselben Zelltypen von den Tau-Ablagerungen befallen waren. Ferner konnten die in den Mäusen hervorgerufenen verschiedenen "Tauopathien" auf weitere Empfängermäuse übertragen werden.

Parallelen zu Prionenerkrankungen

Die Resultate der Basler Forscher legen die Vermutung nahe, dass die Alzheimerdemenz und mit ihr verwandte Tauopathien übertragbar sein könnten, da sie bezüglich der Krankheitsentstehung und Ausbreitung Parallelen zu Prionenerkrankungen wie der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder dem "Rinderwahnsinn" aufweisen. Doch laut ihren Erkenntnissen ist eine infektiöse Übertragung der Alzheimerkrankheit wohl sehr unwahrscheinlich: Die Übertragung der verschiedenen Tau-Ablagerungen von einer Spendermaus auf eine Empfängermaus in einem künstlich erzeugten experimentellen Umfeld lässt einen direkten Vergleich zu Prionenerkrankungen derzeit nicht zu.

Trotzdem legen die Resultate nahe, dass in der ursächlichen Krankheitsentstehung – besonders bei der Auslösung der abnormen Eiweißfaltung – mehr Ähnlichkeiten zwischen den Erkrankungen mit Tau-Ablagerungen und den Prionenerkrankungen bestehen als bisher angenommen. Das von den Basler Wissenschaftern entwickelte Modell eignet sich, diese Ähnlichkeiten nun weiter zu erforschen. (red, derStandard.at, 25.05.2013)

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