Indische Männer posieren mit Toilette, um heiraten zu dürfen

23. Mai 2013, 13:26
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Bezirk in zentralindischem Bundesstaat erlässt einzigartige Verordnung, um Hygiene zu heben

Heiratswillige Männer müssen im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh neben ihrer Toilette posieren. Nur so können sie im Bezirk Sehore an der von der Regierung organisierten Massenhochzeit teilnehmen, die ihnen auch finanzielle Unterstützung garantiert. Die "Times of India" berichtet von der neuen Verordnung, wegen der Männer ein Foto von sich und ihrer Toilette zu der Veranstaltung mitbringen müssen.

Die umstrittene und bisher einzigartige Lösung reagiert auf die Entwicklung, dass mittlerweile mehr InderInnen Mobilfunkverträge als einen Zugang zu Toiletten haben. So telefonieren rund 75 Prozent der Menschen im Land mit einem Handy, aber nur etwa 50 Prozent aller Personen haben ein Klo im Haushalt.

Bilder von Bräutigam mit Toilette

"Mit der neuen Bestimmung wollen wir sicherstellen, dass es keine Möglichkeit zum Betrug oder zu Falschinformationen durch die Bräutigame gibt", sagte der oberste Steuerbeamte des Bezirks der Zeitung. "Deshalb wollen wir nicht nur Bilder von den Toiletten, sondern Bilder von den Bräutigamen mit ihren Toiletten sehen."

Paare, die an der Massenhochzeit teilnehmen, bekommen von der Regierung eine finanzielle Unterstützung von 15.000 Rupien (rund 210 Euro) und nützliche Sachgeschenke.

Kampf um Anspruch auf Toilette

Im Jahr 2012 sorgte in den Medien die damals 19-jährige Inderin Priyanka Bharti für Aufsehen. Das Mädchen wurde bereits im Kindesalter mit ihrem Mann verheiratet, flüchtete allerdings wenige Tage nach der Zeremonie aus der Wohnung ihrer Schwiegereltern. Der Grund dafür war, dass es keine Toilette gab. Seitdem kämpft sie in Städten und Dörfern dafür, dass sich Frauen für einen Anspruch auf ein Klo im Haus einsetzen. Mit ihrer Initiative fand sie bereits Nachahmerinnen.

Aber nicht nur die fehlenden privaten Toiletten sind ein Problem für indische Frauen. Das Höchstgericht in Neu-Delhi forderte, dass in der Hauptstadt mehr öffentliche Klos für Frauen aufgestellt werden. Eine Untersuchung zeigte, dass es in der Hauptstadt mehr als 13-mal mehr Toiletten für Männer als für Frauen gibt.

In der Debatte geht es vor allem um die Eindämmung von Erkrankungen, die durch die Installation von Klos erreicht werden kann. Noch immer sterben in Indien jeden Tag etwa 1.000 Kinder an Durchfallerkrankungen, die zum Großteil auf die unhygienischen Bedingungen zurückgeführt werden. (bbl, derStandard.at, 23.5.2013)

  • Um an der Massenhochzeit teilnehmen zu dürfen, müssen die heiratswilligen Männer beweisen, dass sie ein Klo besitzen.
    foto: epa/sanjeev gupta

    Um an der Massenhochzeit teilnehmen zu dürfen, müssen die heiratswilligen Männer beweisen, dass sie ein Klo besitzen.

  • Rund die Hälfte aller Menschen in Indien haben keinen Zugang zu Toiletten.
    foto: kevin frayer/ap/dapd

    Rund die Hälfte aller Menschen in Indien haben keinen Zugang zu Toiletten.

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