Radioaktive Strahlung an Innsbrucker Uni: LKA ermittelt

23. Mai 2013, 10:24
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Verstrahlter Behälter aus Innsbruck soll mit falschem Etikett nach Seibersdorf geschickt worden sein

Innsbruck/Seibersdorf - Nach der Messung von erhöhten Strahlungswerten an der "Alten Chemie" der Innsbrucker Universität, die mit einem Zwischenfall in Seibersdorf Anfang Mai zusammenhängen dürfte, stellt die Justiz Nachforschungen an. Wie der Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, Hannsjörg Mayr, der APA am Donnerstag mitteilte, hat das Landeskriminalamt Ermittlungen gegen unbekannt aufgenommen. Unter anderem gehe man dem "Verdacht auf fahrlässige Gefährdung durch Kernenergie oder ionisierende Strahlen" nach.

Uni-Sprecher Uwe Steger sagte, dass man bei den Untersuchungen der Justiz von einer "Routinegeschichte" und "standardmäßigen Ermittlungen" ausgehe. Man versuche vonseiten der Universität, alles aufzuklären. Derzeit wisse man jedoch auch noch nicht mehr als zu Beginn der Woche.

Uni Innsbruck siedelte Institut ab

Die Innsbrucker Universität verwies indes auf laufende Nachforschungen. Am Dienstag hatten die Verantwortlichen erklärt, dass es bei der Vorbereitung für eine derzeit stattfindende Entsorgung von Altstoffen zu dem Austritt gekommen sein dürfte. Es wurde von einer geringen Menge von Americium-241 in einem dafür eingerichteten Labor gesprochen.

Bei den zwei Arbeitern, die in Innsbruck einer erhöhten Strahlendosis ausgesetzt waren, handle es sich um Experten, die mit den Entsorgungsmaßnahmen beschäftigt waren, hieß es. Die "Alte Chemie" wurde nach dem Neubau des "Centrums für Chemie und Biomedizin" (CCB) bereits routinemäßig abgesiedelt. Im Haus befand sich noch ein Institut mit 20 Mitarbeitern.

Halle in Seibersdorf weiter gesperrt

Die betroffene Halle bei der Nuclear Engineering Seibersdorf GmbH (NES) in Seibersdorf im Bezirk Baden bleibt unterdessen weiterhin behördlich gesperrt. Bezüglich der Dauer der Untersuchungen geht Geschäftsführer Roman Beyerknecht "von Wochen" aus. Den beiden Mitarbeitern, die bei der Behandlung eines vermutlich falsch deklarierten Abfallgebindes erhöhter radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren, gehe es gut.

Sie stehen weiterhin unter gesundheitlicher Kontrolle. Wie Beyerknecht der APA am Donnerstag erläuterte, konnte bzw. durfte man bisher noch gar nicht in die Halle hinein - also auch nicht zu dem betreffenden Behälter, von dem es aber Papiere und Fotos gebe. Daher sei das Ausmaß der Kontamination noch nicht bekannt.

Falsch etikettierter Behälter

Der "Kurier" hatte berichtet, dass der Innsbrucker Fall mit jenem in Seibersdorf vom 3. Mai zusammenhänge. In Innsbruck soll ein Behälter mit dem radioaktiven Isotop Americium-241 gelagert gewesen sein und für erhöhte Strahlung gesorgt haben. Dieser Behälter sei schließlich falsch etikettiert worden und dann an die Nuclear Engineering Seibersdorf geliefert worden.

Dort dürfte wegen des falschen Etiketts die Substanz fälschlicherweise als harmlos eingeschätzt worden sein, was letztlich zu dem Unfall geführt habe. Die beiden betroffenen Arbeiter in Seibersdorf seien mittlerweile wieder im Dienst. Zwei Wochen später wurde an der "Alten Chemie" die erhöhte Strahlung festgestellt, wovon ebenfalls zwei Menschen betroffen gewesen sein dürften. Die Halle in Seibersdorf, in der sich der Behälter befand, muss abgerissen und neu errichtet werden. 500.000 Euro soll das Unterfangen kosten. (APA, 23.5.2013)

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    Aus der "Alten Chemie" in Innsbruck wurden alle Institute abgesiedelt.

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