Chinas Industrieeinbruch schockt Börsen

23. Mai 2013, 15:37
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Der Binnenmarkt war nicht in der Lage, das schwache Exportgeschäft der chinesischen Industrie auszugleichen

Peking - Chinas Wachstumskräfte erlahmen zusehends und lösen Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft aus. Die Geschäfte der Industrie im Reich der Mitte sind einer Umfrage zufolge im Mai erstmals seit sieben Monaten wieder geschrumpft. Der am Donnerstag veröffentlichte Einkaufsmanager-Index der Großbank HSBC fiel auf 49,6 Punkte und damit unter die Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Ein Alarmsignal für den Rest der Welt, wie Ökonomen meinen: "Da China wichtige Impulse für die globale Wirtschaft hätte liefern sollen und diese ausfallen, ist es um die Weltkonjunktur in diesem Jahr nicht besonders gut bestellt", warnte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank.

Heftiger Kurseinbruch

Die enttäuschenden Konjunkturdaten aus China lösten an der Börse in Tokio den heftigsten Kurseinbruch seit der Atomkatastrophe von Fukushima aus. Der Leitindex Nikkei sackte um 7,3 Prozent auf 14.483 Punkte ab. Auch der Dax in Frankfurt ging um knapp drei Prozent in die Knie. Der ATX in Wien verlor vorübergehend 2,5 Prozent.

Sorge bereitet den Börsianern insbesondere, dass der Auftragseingang in China zurückging. Der entsprechende Index fiel auf 49,5 Punkte, der schwächste Wert seit September. Die Daten verdeutlichen die Unwägbarkeiten bei der Erholung der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Der Binnenmarkt war nicht in der Lage, das schwache Exportgeschäft auszugleichen, wie der Chefvolkswirt der HSBC für China, Qu Hongbin, schreibt. Wegen der schwachen Erholung in den USA sowie der Schuldenkrise in Europa ist die Nachfrage aus dem Ausland dürftig.

Kein schneller Aufschwung

"An einen schnellen Aufschwung, wie er noch nach der Krise 2008/09 zu beobachten war, glaubt wohl keiner mehr", so Ökonom Frederik Kunze von der NordLB. Die Details des Einkaufsmanager-Index zeigten einen "erschreckend schwachen Zustand" der chinesischen Wirtschaft, ergänzt VP-Volkswirt Gitzel.

Das Bruttoinlandsprodukt im Reich der Mitte wuchs 2012 nur noch um 7,8 Prozent. Es war die geringste Zuwachsrate seit 13 Jahren. Analysten halten das von der Regierung ausgegebene Wachstumsziel von 7,5 Prozent für dieses Jahr für erreichbar - doch wäre es das schwächste Plus seit 23 Jahren. Der internationale Währungsfonds (IWF) veranschlagt für das asiatische Schwellenland 2013 allerdings ein Wachstum von 8,0 Prozent. China ist die Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft, die nach IWF-Schätzung 2013 um 3,3 Prozent wachsen soll.

Damit Chinas Wirtschaft dauerhaft unter Dampf bleibt, will die neue Staatsführung das Land mit Reformen statt mit Konjunkturspritzen auf Wachstum trimmen. Doch die Mühlen des kommunistischen Regierungssystems mahlen langsam: Das Zentralkomitee wird voraussichtlich erst im Oktober grünes Licht für die Pläne von Präsident Xi Jinping geben.

Börsen reagieren verschnupft

Nicht nur der Nikkei in Tokio reagierte äußerst verschnupft. Alle Märkte im asiatischen Raum reagierten: Der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte außerhalb Japans lag 2,6 Prozent im Minus. Die Börse in Shanghai notierte 1,2 Prozent tiefer, der Markt in Hongkong 2,6 Prozent. In Seoul schloss der Leitindex 1,2 Prozent im Minus. Die Börse in Sydney verlor zwei Prozent. Auch die Leitbörsen in Europa haben am Donnerstag im frühen Handel einheitlich mit großen Verlusten tendiert. Der 50 führende Unternehmen der Eurozone umfassende Euro-Stoxx-50 fiel bis 11.00 Uhr 2,64 Prozent, in London verlor der FT-SE-100 ebenfalls fast zwei Prozent.

Beigetragen zur schlechten Stimmung an den Börsen haben auch die Aussagen des US-Notenbankchefs Ben Bernanke. Es sei die Sorge da, dass die Federal Reserve (Fed) ihre Stimulierungsmaßnahmen zurücknähme, wenn es der US-Wirtschaft besser ginge, so ein Marktkenner.

Auch am Rohstoff-Markt sorgte der Konjunkturpessimismus für Verluste. Die richtungsweisende Nordsee-Ölsorte Brent verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 101,41 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für eine Tonne des wichtigen Industriemetalls Kupfer fiel sogar um 3,3 Prozent auf 7223 Dollar. Vor diesem Hintergrund nahmen einige Anleger Kurs auf den "sicheren Hafen" Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um 1,4 Prozent auf 1388,24 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). (Reuters/red, derStandard.at, 23.5.2013)

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    Chinas Industrie schwächelt.

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