"Kein Wort hat mehr Gewicht!"

12. August 2003, 14:08
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Olga Neuwirths Ärger mit Salzburg

Wien - Heftig reagiert Komponistin Olga Neuwirth auf die drohende Absage ihrer für 2006 geplanten Oper Der Fall W. Salzburgs Intendant Peter Ruzicka hatte ihr Ende Juni in einem Brief angekündigt, dass die fix vereinbarte Produktion für den Fall, dass Mäzen Alberto Vilar bei der Finanzierung ausfalle, im Herbst abgesagt werden müsse. "Das sagt er nur, um die Absage aus der Festspielzeit herauszuhalten", glaubt Neuwirth. "Für mich ist das tot!"

Das Ganze sei merkwürdig. Schließlich seien kürzlich der Uraufführungstermin (23. Juli 2006), Probenpläne, Hauptrolle (Ute Lemper) und Regie (Filmemacher Michael Haneke) fixiert worden. Besonders ärgert Neuwirth, dass sie auf Änderungswünsche seitens der Salzburger Intendanz eingegangen wäre: Ursprünglich wäre das Auftragswerk für 2005 vereinbart gewesen.

Nun im Mozart-Jahr gelandet, hätte sich Ruzicka von ihr einen anderen Stoff, eine Mozart-Paraphrase, gewünscht und gebeten, dass das Libretto (Elfriede Jelinek) rasch geschrieben werde. Ursprünglich hätten sowohl Staatsoperndirektor Ioan Holender, der designierte Pariser Opernchef Gerard Mortier und Ruzicka für 2005 von ihr eine Oper haben wollen. Auch durch ihr Mitwirken hätte sich eine Koproduktion von Salzburg mit Paris ergeben. "Mit Mortier hat Ruzicka aber offenbar noch nicht geredet, entnehme ich einem Brief von Mortier."

Für den Fall, dass das Salzburger Vorhaben platzt, wolle Mortier sich um neue Koproduktionspartner bemühen, so Neuwirth. "Ich kann nur abwarten", sagt sie. Ihr Fazit: "Kein Wort hat mehr Gewicht!" In einer Aussendung weist Ruzicka darauf hin, dass der Rückzug der Festspiele nicht feststehe, vielmehr die neuen Haushaltszahlen im Oktober abzuwarten seien. Auch sei die Oper als Koproduktion mit Pariser vorgesehen, wodurch auch andere Gestaltungsspielräume offen stünden, die die künstlerischen Wünsche und Zwänge berücksichtigen. (tos, APA / DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2003)

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