Tod bei Festnahme - Suche nach Parallelfällen

26. August 2003, 10:32
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Zusammenhang zwischen gesetzten Zwangsmaßnahmen und Tod müssen gegeben sein - Obduktionsgutachten lassen oft auf sich warten

Wien - Der Fall weist einige Parallelen zum Tod des gebürtigen Mauretaniers Cheibani W. im Wiener Stadtpark auf:

Am 4. Oktober 2002 starb ein 24-jähriger Mann in Wien-Meidling im Zuge einer Polizeiaktion. Mehrere Beamte sollen angeblich auf dem wegen kleinerer Delikte zur Verhaftung ausgeschriebenen Franz S. gekniet sein, der sich vor einem Bankomaten derart auffällig benommen hatte, dass eine Funkstreife auf ihn aufmerksam wurde und ihn überprüfen wollte. Für die in die Sache verwickelten Polizisten wird die Sache keine strafrechtlichen Folgen haben.

Verfahren eingestellt

"Das Verfahren gegen die Beamten wurde eingestellt. Es konnte kein Zusammenhang zwischen den gerechtfertigterweise gesetzten Zwangsmaßnahmen und dem Tod des Mannes festgestellt werden", gab Otto Schneider, Erster Staatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Wien, am Mittwoch auf APA-Anfrage bekannt.

Obduktionsgutachten kam erst nach acht Monaten

Ausschlag gebend war das endgültige Obduktionsgutachten, das auf Grund umfangreicher chemisch-toxikologischer Untersuchungen acht Monate auf sich warten ließ - ein Zeitraum, den die Staatsanwaltschaft übrigens auch im Fall Cheibani W. für durchaus realistisch hält, bis die genaue Todesursache fest gestellt werden kann.

Gutachten sprach von Herz-Kreislaufversagen

Franz S. starb laut Gutachten an einem Herz-Kreislaufversagen, wobei sich bei der Begutachtung ein bereits erheblich vorgeschädigtes Herz nachweisen ließ. Vor allem aber dürfte der drogensüchtige Franz S. unmittelbar vor der Amtshandlung "gefixt" haben: Die chemische Analyse förderte eindeutig Spuren von Heroin zu Tage. Die bestehenden Herzprobleme sowie die Aufregung - Franz S. soll bei der Amtshandlung laut Polizei "wie ein Berserker" um sich geschlagen haben - in Verbindung mit dem konsumierten Suchtgift führten dem Gutachten zufolge zum Tod des Mannes.

Festnahme

Franz S. war an der Ecke Meidlinger Hauptstraße - Vivenotgasse davon gelaufen, als er die auf ihn zukommenden Polizisten bemerkte. Die Uniformierten verfolgten ihn, rissen ihn zu Boden, knieten sich nach Angaben unbeteiligter Augenzeugen auf ihn und legten ihm Handschellen an, weil der Mann nach ihnen geschlagen und getreten haben soll.

Reanimationsversuche

Über den weiteren Ablauf berichtete die Polizei in einer Aussendung Folgendes: "S. begann jedoch sofort wieder um sich zu treten, weshalb eine neue Fixierung vorgenommen werden musste. Während dieser Sicherungsmaßnahme endete plötzlich sein heftiger Widerstand. S. begann zu röcheln und war kurz darauf unansprechbar. Seine Atmung setzte aus. Die Beamten verständigten die Rettung, Reanimationsversuche durch die einschreitenden Beamten sowie durch den später eintreffenden Rettungsdienst blieben erfolglos."

Die Notärztin vermutete, der Mann wäre einem Herzinfarkt erlegen. Bei Fanz S. wurden fünf leere Spritzampullen sowie Suchtgift und eine gebrauchte Injektionsnadel gefunden. (APA)

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