"Freunde und Helfer"

6. Oktober 2003, 15:54
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Cheibani W.: Bilder, die an das Amateurvideo erinnern, wie der Amerikaner Rodney King 1992 zusammegeschlagen wurde

Als kleiner Karli wunderte man sich ja bereits in der Volksschule, warum einem die Lehrerin die ewig mürrischen Herren in Uniform als "Freunde und Helfer" verkaufen wollte.

Waren es doch genau jene humorlosen Erwachsenen, die einem genussvoll die Ohren lang gezogen haben, nur weil man mit dem Radl auf dem Schotterweg so lange Bubi Bösners Speedway-Bremsspuren nachstellte, bis das weiße Auto mit den blauen Lamperln am Dach so grau war, wie "Der Kommissar", der damals aus dem Schwarz-Weiß-Fernseher schaute.

Und von wem bezog man Ohrfeigen, nur weil man Kirschen und deren Kerne als Schleuderinhalt gegen blöde Nachbarn eingesetzt hatte? Erraten. Nun hat über derlei Kindheitsvergehen und ihre pädagogisch total wertvollen Konsequenzen zu memorieren schon seinen nostalgischen Unterhaltungswert.

Als am Montag auf "Wien Heute", das Videoband von im Normalfall tatsächlich als Helfer einzuschätzenden Sanitätern zu sehen war, die auf einem regungslosen und gefesselten Mann standen, stieg in einem dieselbe beklemmende Mischung aus Unrechtsbewusstsein und Zorn hoch, wie damals, als Inspektor K. Mamas Burli wegen ein paar zweckentfremdeter Kirschen einen Scheitel zog, dass zur Mittagszeit die Sterne aufgingen: Nur - das Burli atmet noch.

Diese Bilder erinnerten an das Amateurvideo, das zeigte, wie der Amerikaner Rodney King 1992 von Polizisten brutal zusammengeschlagen wurde. Nur - Rodney King atmet noch. Cheibani W. jedoch, der atmet nicht mehr. (flu/DER STANDARD, Printausgabe vom 23.7.2003)

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