Einweisung wider Willen

5. August 2003, 11:10
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Zwang bei zehn bis 15 Prozent der Patienten

Wien - Möglicherweise wird sich nie mehr klären lassen, was den 33-jährigen Cheibani W. so in Rage versetzt hat, dass es im Afrika-Dorf zu Handgreiflichkeiten gekommen ist. In eine geschlossene Anstalt hätte er gegen seinen Willen aber höchstwahrscheinlich nicht gebracht werden können. Dies widerfährt aber zehn bis 15 Prozent aller Patienten.

Geregelt ist das Prozedere im so genannten Unterbringungsgesetz, das am 1. Jänner 1991 in Kraft getreten ist. Darin ist geregelt, dass nur in eine Anstalt gebracht werden darf, "wer an einer psychischen Erkrankung leidet" und eine Selbst- oder Fremdgefahr darstellt. Zusätzlich darf es keine Möglichkeit einer ärztlichen Betreuung außerhalb einer Anstalt geben.

In den Paragrafen acht und neun sind die Voraussetzungen für Einweisungen gegen den Willen des Betroffenen geregelt. Ein Amts- oder Polizeiarzt muss prüfen, ob die Bedingungen des Gesetzes erfüllt sind, die Exekutive selbst darf nur bei "Gefahr im Verzug" eine Einweisung veranlassen.

In Wien sind es rund zehn Prozent der Patienten, die gegen ihren Willen in eine psychiatrische Abteilung gebracht werden. Bei der oberösterreichischen Landesnervenklinik liegt die Rate noch höher, "an die 15 Prozent unfreiwillige Aufnahmen" schätzt der ärztliche Leiter Werner Schöny. Aggressiv sind insgesamt fünf Prozent aller betroffenen Patienten, führt der Mediziner aus. (moe/DER STANDARD, Printausgabe, 23.76.2003)

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