"Über hundert rassistische Anrufe"

1. August 2003, 17:16
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Leserbriefautorin wird beschimpft, "Krone" selbst spielt Mäuschen

Angerufen hat Judith E. bei der "Krone" noch nicht. Sie wird es aller Voraussicht nach auch so bald nicht tun: "Ich will mich mit ihnen nicht auseinander setzen." Dabei hätte E. allen Grund dazu. Die "Krone" veröffentlichte, wie berichtet, in der Sonntagsausgabe ihren kritischen Leserbrief zum Tod des Mauretaniers Cheibani W. – inklusive ihrer genauen Adresse und Handynummer.

Seit Sonntagfrüh brummt nun pausenlos das auf "lautlos" geschaltete Handy: "Über hundert Anrufe und mehr als 18 SMS-Nachrichten mit übelsten rassistischen und sexistischen Beschimpfungen."

Sie sei "naiv" gewesen, hinterließ die Nummer für allfällige Rückfragen, auch Dienstag ebbte die Anruferwelle nicht ab. Und der erste Brief lag im Postkasten.

Rechtlich steht E. eher auf verlorenem Posten. Rechtsanwältin Maria Windhager: "Die Veröffentlichung einer Telefonnummer ist nicht fair und auch gar nicht üblich. Wenn die Betroffene selbst ihre Telefonnummer im Leserbrief angegeben hat, wird zu prüfen sein, ob die "Krone" von einer Zustimmung zur Veröffentlichung ausgehen durfte."

Versuche des "Standard", die "Krone" zu einer Stellungnahme zu bewegen, blieben bisher ergebnislos. "Ich habe ein mulmiges Gefühl, wenn ich nach Hause komme", sagt E. (prie/DER STANDARD, Printausgabe vom 23.7.2003)

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