"Wie können Afrikaner hier noch leben?"

5. August 2003, 11:10
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Afrikadorf-Vertreter erheben schweren Vorwürfen gegen Ermittler

Wien - Schwere Vorwürfe gegen Polizei und Rettung im Zusammenhang mit dem Tod von Cheibani W. haben die Organisatoren des Afrikadorfes im Wiener Stadtpark erhoben. Der Vertreter des African Network Against Racism (ANAR, afrikanisches Netzwerk gegen Rassismus), Di-Tutu Bukasa, forderte den Rücktritt von Innenminister Ernst Strasser(ÖVP).

Für den Gründer des Dorfes, Ahmed Elgoni, war das Feuer der vergangenen Nacht im Stadtpark ein Brandanschlag als Reaktion auf die Ausstrahlung eines Videos zum Tod des Mauretaniers. Elgoni: "Ich glaube, das war eine geplante Aktion gegen das Projekt." Bereits zwei Tage nach der Eröffnung Ende Mai waren Unbekannte in das Dorf eingebrochen. Mitte Juni brannten drei Hütten ab. Der Tod von Cheibani W. und der neuerliche Brand in der Nacht auf Dienstag würden die Frage aufwerfen: "Wie können Afrikaner hier noch leben?"

Unabhängige Kommission gefordert

Im Zusammenhang mit dem Tod des 33-jährigen Mauretaniers haben Polizei und Rettung laut Bukasa fahrlässig gehandelt. Dieses Ereignis und die Brandstiftungen würden zeigen, dass "Leute unserer Generation noch immer Brandstiftung und rassistische Gedanken fortsetzen". Er verlangt die Einsetzung einer unabhängigen Kommission zur Untersuchung des Todesfalls und die fristlose Entlassung der an dem Einsatz beteiligten Polizisten und Rettungsmitarbeiter. Innenminister Strasser als Mitverantwortlichen forderte Bukasa zum Rücktritt auf.

Erst Stunden nach dem Brand in der Nacht auf Dienstag, sei mit Ermittlungen begonnen worden, kritisierte der Kulturmanager des Dorfes, Davis O'Nejo. Die Tatsache, dass die Grundmauern der abgebrannten Hütte noch stehen, ist für ihn ein Beweis, dass Brandstiftung vorliege.

Wie es mit dem Projekt weitergehen soll, wissen die Verantwortlichen nicht. Laut Elgoni hat ein Mitarbeiter des Stadtgartenamtes verlangt, das Dorf abzureißen, weil es ein Sicherheitsrisiko darstelle. Die Organisatoren wollen es aber als Mahnmal erhalten, um doch noch eine Brücke zwischen Wien und Afrika herstellen zu können.(APA)

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