Musik als roter Faden im Programm

3. August 2003, 17:25
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Barbara Albert präsentiert ihren zweiten Langfilm "Böse Zellen"

Wien - Der zweite Langfilm der österreichischen Regisseurin Barbara Albert, "Böse Zellen", rittert im Wettbewerb des diesjährigen 56. Internationalen Filmfestivals Locarno (6. bis 16. August) um einen "Goldenen Leoparden". Ebenfalls im Wettbewerb steht eine internationale Koproduktion mit Beteiligung der Wiener Novotny und Novotny Filmproduktion, "Fuse" von Pjer Zalica (mit u. a. Hubsi Kramar). Im Video-Bewerb läuft der erst jüngst in Karlovy Vary (Karlsbad) ausgezeichnete Dokumentarfilm von Ulrich Seidl, "Jesus, Du weißt".

Der von coop 99 Filmproduktion mit Unterstützung des Österreichischen Filminstituts, des ORF, des Filmfonds Wien und des Landes Niederösterreich hergestellte Streifen "Böse Zellen" von Barbara Albert ("Nordrand") handelt von einem Mikrosystem unterschiedlicher Familien und Menschen, die durch die Vergangenheit verbunden sind. Der Film, in dem Kathrin Resetarits, Georg Friedrich, Marion Mitterhammer und Ursula Strauss mitwirken, erzähle vom Umgang mit Verlust und Vergänglichkeit, seine Figuren versuchen, "sich zwischen missglückter Zweisamkeit und Konsumträumen einen Weg durch die Unerklärlichkeit des Daseins zu bahnen". "Böse Zellen" wird in Locarno seine internationale Premiere erleben.

Jazz ist Trumpf

Mit einer großen Retrospektive und weiteren Musikfilmen ist die Musik der rote Faden im Programm von Locarno. Mit der mit rund 115 Titeln sehr umfangreichen Retrospektive "All That Jazz", darunter Klassiker des Genres wie Anthony Manns "The Glenn Miller Story", Francis Ford Coppolas "Cotton Club" oder Clint Eastwoods "Bird", will das Festival auf die Bedeutung des Jazz in der Filmgeschichte hinweisen.

"Kino und Jazz sind die beiden großen Künste des 20. Jahrhundert", sagte Festivaldirektorin Irene Bignardi bei der Präsentation ihres Programms am Mittwoch in Bern. Filmkomponisten, darunter etwa Ennio Morricone, sind zudem nach Locarno eingeladen, um mit dem Publikum über die Kunst der Filmmusik zu diskutieren.

Die Musik ist aber auch Thema in zahlreichen Beiträgen des normalen Programms. Etwa im Eröffnungsfilm auf der Piazza Grande mit dem Musical "The Band Wagon" von Vincente Minnelli, als Hommage an den 100. Geburtstag des US-Regisseurs, oder im Piazza-Film "Mein Name ist Bach" der in Berlin lebenden Westschweizerin Dominique de Rivaz.

Nur im Titel trägt der Film "Forever Mozart" von Jean-Luc Godard die Musik, der als Hommage an die Zürcher Produzentin Ruth Waldburger ebenfalls auf der Piazza läuft. Als dritter Schweizer Beitrag im großen Open-Air-Kino ist der Dokumentarfilm "Mais im Bundeshaus" von Jean-Stéphane Bron über die Gentech-Debatte zu sehen.

Weitere wichtige Titel auf der Piazza Grande sind etwa der britische Film "Calendar Girls" von Nigel Cole mit Helen Mirren über alternde Frauen, die nackt für einen Pin-Up-Kalender posieren, oder der US-Actionfilm "Lara Croft Tomb Raider: The Cradle of Life" von Jan de Bont, mit Angelina Jolie in der Titelrolle.

Mit Spannung erwartet wird auch die teilweise in der Schweiz gedrehte deutsche Großproduktion "Das Wunder von Bern" von Sönke Wortmann. Der Fußballfilm thematisiert die historischen Umstände um das Finalspiel der Fußball-WM 1954 in Bern, das Deutschland gegen die hoch favorisierten Ungarn gewonnen hat.

Schließlich sind auf der Piazza weitere Klassiker zu sehen, etwa "Casanova" von Federico Fellini als Hommage an den vor zehn Jahren verstorbenen italienischen Meisterregisseur, George Cukors "Holiday" als Erinnerung an die kürzlich verstorbene Schauspielerin Katharine Hepburn, und "Pane e cioccolata" zum 10. Todesjahr des italienischen Drehbuchautors und Regisseurs Franco Brusati.

Im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden sind 20 Filme aus 17 Ländern zu sehen, darunter sechs Erstlingswerke. Frankreich (drei Filme) und Italien (zwei Filme) sind am Besten vertreten. Die Französin Emilie Deleuze zeigt "Mister V", die USA sind im Wettbewerb mit dem Adoleszenzdrama "Thirteen" von Catherine Hardwicke mit Holly Hunter vertreten. Der einzige Schweizer Beitrag im Wettbewerb ist "Au sud des nuages" von Jean-Francois Amiguet, ein Road-Movie, das bis nach China führt. Der Film eröffnet das Wettbewerbsprogramm. (APA/sda)

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