Nachlese: "Ich trete natürlich nicht zurück"

3. August 2003, 19:00
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Insider-Handel: Voest-Chef Franz Struzl in der Offensive - Strafrechtlich habe er sich nichts zuschulden kommen lassen - Kein Rücktritt

Wien - Der wegen Verdachts des Insiderhandels mit Aktien der Voest-Eisenbahn-Tochter VAE unter Beschuss geratene Voest-Chef Franz Struzl sieht keine Veranlassung zum Rücktritt. "Ich trete natürlich nicht zurück. Es ist Sache des Aufsichtsrats, das mit mir zu diskutieren", so Struzl am Dienstag. Es sei ihm klar, dass er mit der Nicht-Meldung eines Aktienkaufs an die Finanzmarktaufsicht "das Vertrauen sicher nicht gehoben" habe. Aber er habe sich nichts zuschulden kommen lassen.

Kein Insiderhandel, nichts Strafrechtliches

Hätte er am 3. Juli 2002 geahnt, dass die Voraussetzungen für den VAE-Kauf schon vorlägen, "hätte ich mit Sicherheit nicht eine Aktie gekauft". Struzl räumte aber "schiefe Optik" ein. Mitausgerückt war Struzls Rechtsanwalt, Uni-Professor Christian Hausmaninger. Auch er betonte, weder Insiderhandel noch ein Strafrechtstatbestand seien vorgelegen. Den Ablauf schilderten beide so:

  • Struzl ordert am 3. Juli 2002 über seine Bank Aktienkäufe in VAE, wo Struzl selbst Aufsichtsratspräsident ist und wo die Voest seit 1998 45,3 Prozent Aktien besitzt. 45,3 Prozent hält Vossloh Verkehrstechnik, Rest: Streubesitz;

  • Die Partnerschaft Vossloh-Voestalpine habe wegen Differenzen über die Strategie der VAE seit Ende 1999 nicht gut funktioniert. Darum wurde vereinbart, dass der Syndikatsvertrag am 1. Juli auslief. Dies sei seit der Kapitalerhöhung im Frühjahr 2002 allen Aktionären bekannt gewesen;

  • Am 13./14. Juli verdichten sich Infos, Vossloh biete um die französisch Cogifer mit;

  • 16. Juli Vossloh kauft Cogifer um 296 Mio. Euro; Voestalpine nutzt ihr Vorkaufsrecht und kauft 45,3 Prozent der VAE um 140 Mio. Euro;

  • 17., 18. oder 19. Juli Struzl informiert Voest-Präsident Streicher über seinen Aktienbesitz (2800 Stück);

  • 26. Juli Übergabe des Aktienpakets an Notar, keine Verfügungsgewalt mehr. Gewinne für karitative Zwecke;

  • 30. Juli Finanzmarktaufsicht (FMA) startet Ermittlungen wegen auffälliger VAE-Kursentwicklung Anfang Juli;

  • 18. September Vossloh-HV beschließt Cogifer-Kauf;

  • 30. September Voestalpine schließt Deal mit Vossloh ab;

  • Ende 2002 FMA übergibt Causa an Staatsanwaltschaft;

  • Ende März 2003 Verfahrenseinstellung, Struzl zahlt wegen Nichtmeldung seiner Aktienkäufe 50.000 Euro an den Bund, die 250.000 Euro Gewinn aus der Abfindung durch Voestalpine bekommen Krebshilfeeinrichtungen. (ung, DER STANDARD Printausgabe 23.07.2003)
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      Struzl unter Insider-Verdacht: Im nachhinein ist man immer gescheiter.

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