Schlacht der Worte um Mur-Insel

12. August 2003, 19:45
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Lissa-Gedenken und Seemannslieder: Parteijugend ärgert Kulturmanager

Graz - Die Grazer Mur-Insel gewinnt unerwartete Freunde und Interessenten. Jene "Lissa-Feier" auf der Acconci-Insel, mit der eine Marinekameradschaft und ein Seemannschor vor einer Woche der 1866 von Wilhelm von Tegetthoff geschlagenen Seeschlacht bei Lissa (Vis) gedachten, brachte nun andere Organisationen auf die Idee, das künstliche Eiland für ihre Feste zu nutzen.

Der Obmann des Seemannchors "Admiral Tegetthoff", Manfred Zimmermann, bestätigte gegenüber dem STANDARD, die Insel unentgeltlich zur Verfügung gestellt bekommen zu haben. Die Grazer Grünen protestierten gegen diese Bevorzugung.

Der Vorsitzende der Grazer Sozialistischen Jugend (SJ), Gerhard Rupp, erkennt darin aber das "löbliche Angebot, die Mur-Insel für politische Brauchtumspflege zu nutzen". Die SJ schlägt eine "Speakers Corner nach Londoner Vorbild" vor.

In einem Schreiben an die Kulturmacher von Graz 2003 schlägt Rupp nun eine Veranstaltung "Die Kultur des Sozialismus" am 15. August vor. Beginnen wolle man mit einem "feierlichen Fahneneinzug mit historischen Parteifahnen", als Höhepunkte seien das dreisprachige Absingen der Internationale und "gesangliche Interpretationen historischer ArbeiterInnenlieder" angedacht.

Die Stellungnahme von Graz 2003 war nüchtern, es hieß, dass weder die Insel der Marinekameradschaft kostenlos überlassen worden sei, noch sei die Darbietung eine Veranstaltung im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres gewesen. Die Insel sei vielmehr von Anfang an als "öffentlicher Ort an einem ungewöhnlichen Platz" konzipiert gewesen. Die Marinekameradschaft Tegetthoff verwendete auf ihrer Einladung allerdings das Logo von Graz 2003 und den Hinweis "Ein Beitrag zu Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas". (DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.7.2003)

Von Colette M. Schmidt
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