Neue Potenzpille aus Spinnengift

12. August 2003, 13:06
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Arznei aus Schwarzer Witwe für mehr Erektion und weniger Babys

Temuco/Wien - Chilenische ForscherInnen basteln an einer Pille, die nicht nur die männliche Potenz steigern, sondern gleichzeitig auch die Zeugungsfähigkeit ihrer Konsumenten beeinträchtigen soll: quasi Viagra und Antibabypille in einem. Chemische Grundlage für die Arznei: das tödliche Gift der Schwarzen Witwe, einer Spinnenart, deren Weibchen nach dem Sex ihre Männchen umbringen.

Nach siebenjähriger Arbeit sind die ForscherInnen der University La Frontera in der südchilenischen Stadt Temuco nunmehr imstande, alle einzelnen Komponenten des Spinnengifts synthetisch herzustellen, die bei den Beuteopfern der Tiere zu Muskelerregung, Herzflimmern und schließlich zum Tod führen. Richtig dosiert, fanden die Wissenschafter heraus, können diese Substanzen Menschen mit Herzschwäche und erektiler Dysfunktion helfen.

Per Zufall entdeckte das Team um Fernando Romero in einem Laborversuch mit Mäusen nun eine weitere Komponente des Spinnengiftes: eine, die die Zeugungsfähigkeit von Sperma einschränkt. Und zwar - je nach Dosierung - bis zu 30 Minuten lang nach Verabreichung des Giftes. Wie es dazu kommt, muss erst noch noch erforscht werden. Es wird vermutet, dass der Giftstoff die Beweglichkeit der Samenfäden hemmt.

Da das Team sämtliche Komponenten des Giftes separat synthetisch herstellen kann, steht der Produktion einer Pille, die zwar kein Herzflimmern auslöst, dafür aber die Potenz steigert und die Zeugungsfähigkeit einschränkt, nichts mehr im Weg. Uni, Regierung und Pharmafirmen aus Chile und Brasilien haben eine knappe Million Euro bereitgestellt. In drei Jahren soll das entsprechende Patent angemeldet werden. (DER STANDARD, Printausgabe 22.07.2003)

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    Schwarze Witwe
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