Kunst hinter der Mauer

3. August 2003, 18:58
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Neue Nationalgalerie in Berlin zeigt bisher umfassendste Rückschau auf die "Kunst in der DDR"

Berlin - Die bisher umfassendste Rückschau auf "Kunst in der DDR" bietet eine Retrospektive der Neuen Nationalgalerie in Berlin, die an diesem Donnerstag (24.7.) eröffnet wird. Die Schau zeigt 390 Werke von 145 Künstlern der Gattungen Malerei, Zeichnung, Collage, Skulptur, Fotografie und Film aus 40 Jahren DDR. "Zwölf Jahre nach der Vereinigung Deutschlands wird sich die Nationalgalerie der Aufgabe annehmen, in einer repräsentativen Rückschau zu zeigen, was in 40 Jahren an wichtigen Positionen der Kunst in der DDR entstanden ist", kündigten die Staatlichen Museen zu Berlin an.

"Kunst in der DDR" und nicht "Kunst der DDR"

Die Ausstellungsmacher heben hervor, dass es sich bei der Schau um "Kunst in der DDR" und nicht "Kunst der DDR" handelt. "In der Ausstellung haben ausgebürgerte Künstler wie A.R. Penck, aber auch die staatsnahe Kunst im Pathos der Denkmäler von Fritz Cremer bis Werner Tübke ihren Platz."

SED-Staat diffamierte Moderne als formalistisch

Zu sehen sind unter anderem Werke von Willi Sitte, Gerhard Altenbourg, Hermann Glöckner, Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig, Hartwig Ebersbach und Carlfriedrich Claus. Gezeigt werden sollen unter anderem "das Bewahren der bürgerlichen Traditionen vom Nachimpressionismus bis zum Expressionismus, die Fortsetzung der abstrakten Kunst... und die Versuche verschiedener Künstler, die vom SED-Staat als formalistisch diffamierte Moderne - von Picasso über Beckmann bis hin zu Léger - mit privaten wie sozialistischen Bildthemen zu verbinden".

Kunst als "Teil eines totalitären Überwachungs- und Erziehungsapparats"

Der in Dresden geborene und kurz vor der Wende nach West-Berlin gezogene Künstler Via Lewandowsky sprach im Zusammenhang mit der Ausstellung von einem "sehr exotischen Kapitel der deutschen Kunst". Eine "reine, kontextfreie Betrachtung" dieser Kunst übersehe die wirkliche Brisanz der Bilder, meinte er in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". In der DDR habe die Kunst eine klare politische Funktion gehabt, "sie war Teil eines totalitären Überwachungs- und Erziehungsapparats".

Zuletzt war 1999 in Weimar ein groß angelegter Versuch unternommen worden, eine Rückschau auf DDR-Kunst zu halten. Die Ausstellung "Offiziell und inoffiziell - die Kunst der DDR" wurde nach heftigen öffentlichen Auseinandersetzungen vorzeitig geschlossen. (APA/dpa)

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Neue Nationalgalerie Berlin

"Kunst in der DDR"
von 24.7. - 26.10.

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