Stichwort Informantenschutz: Grundlage unabhängiger Pressearbeit

10. August 2003, 17:19
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Kelly wurde bis zu seinem Tod von BBC geheim gehalten - Reminiszenzen an Watergate- und "Spiegel"-Affäre

Die Vertraulichkeit zwischen der Presse und ihren Informanten steht in vielen Ländern unter einem besonderen Schutz. So gehören der Quellen- und Informantenschutz zu den der Presse im Rechtsstaat eingeräumten Schutzgarantien. Diese Garantien bilden die Grundlage für eine freie und unabhängige journalistische Arbeit.

Auf diese Vertraulichkeit konnte auch der britische Regierungsberater David Kelly zählen, dessen Identität als Informationsgeber über das umstrittene Irak-Dossier vom Sender BBC bis nach dessen Tod geheim gehalten wurde. Als mutmaßlicher Hauptlieferant "entlarvt" wurde Kelly schon vorher von einer Sprecherin des britischen Verteidigungsministeriums. Die BBC hatte dem Druck der Regierung widerstanden, ihre Quelle offen zu legen.

Der Fall Kellys erinnert an die Watergate-Affäre, den spektakulärsten Skandal in der Pressegeschichte der USA. Zwei Reporter der "Washington Post" entlarvten 1972 und 1973 Verbindungen zwischen der amerikanischen Regierung unter Präsident Richard Nixon und einem Einbruch ins Hauptquartier der Demokraten im Watergate- Gebäude in Washington. Die Affäre trieb Nixon in den Rücktritt. Das Material soll den beiden Zeitungs-Reportern von einem nur unter dem Decknamen "Deep Throat" (Tiefer Schlund) bekannten Informanten geliefert worden sein. Über die Identität von "Deep Throat" wird bis heute gerätselt. Die Reporter wollen den Namen ihres wichtigsten Informanten erst nach dessen Tod lüften oder wenn der seine Meinung vorher ändert.

In der jüngeren deutschen Mediengeschichte hatte der Informantenschutz eine bedeutende Rolle bei der "Spiegel"-Affäre des Jahres 1962 gespielt. Nach einer Enthüllungsgeschichte über eine nur "bedingt einsatzbereite" Bundeswehr wurde die des Landesverrats beschuldigte Redaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins auf der Suche nach Beweisen rechtswidrig durchsucht. Die deutsche Bundesanwaltschaft vermutete, Offiziere der Bundeswehr hätten geheime Informationen preisgegeben. (APA/dpa)

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