Hintergrund: Britische Rundfunkgesellschaft spielt in Affäre um irakische Waffen wichtige Rolle

22. August 2003, 16:26
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In der immer komplizierteren Affäre um aufgebauschte Geheimdienstinformationen zu irakischen Waffenprogrammen spielt die Rundfunkanstalt British Broadcasting Corporation (BBC) eine wichtige Rolle. Ihr Verteidigungsexperte Andrew Gilligan erhielt laut dem Sender von dem britischen Biowaffen-Experten David Kelly die Information, die Londoner Regierung habe Behauptungen über irakische Massenvernichtungswaffen trotz fehlender stichhaltiger Bestätigungen in ein Dossier eingefügt. Kelly wurde am Freitag in der Früh tot aufgefunden.

Die 1922 gegründete öffentlich-rechtliche Sendeanstalt beschäftigt heute fast 24.000 Mitarbeiter, rund 2000 von ihnen Journalisten. Präsident ist seit September 2001 der Wirtschaftswissenschaftler Gavyn Davies, Generaldirektor seit Juni 1999 Greg Dyke. Beide stehen der regierenden Labour-Partei von Premierminister Tony Blair nahe. Die BBC, von den Briten bisweilen liebevoll "Tantchen" oder einfach "Beeb" genannt, produziert zwei Haupt-Fernsehprogramme und mehr als fünf Spartenfernsehprogramme, weiterhin fünf Radioprogramme und den Informationsdienst "BBC Online". Der internationale Dienst, der vom britischen Außenministerium finanziert wird, kommt wöchentlich auf bis zu 155 Millionen Hörer weltweit in 43 Sprachen.

Die Programmkontrolle hat ein Gremium aus zwölf Rundfunkräten inne, die als "Wächter des öffentlichen Interesses" fungieren, finanzielle Entwicklungen überwachen und die Programmstrategie festlegen. Dem Rundfunkrat unterstellt ist ein Aufsichtsrat, der das tagesaktuelle Geschäft der Anstalt leitet.

Die BBC finanziert sich zu 75 Prozent durch Rundfunkgebühren, der Rest wird über die 100-prozentige BBC-Tochter BBC Worldwide eingenommen. Von März 2002 bis April 2003 machte die BBC bei einem Umsatz von 640 Millionen Pfund (909 Mill. Euro) einen Gewinn von 33,9 Millionen Pfund.

Die Rundfunkanstalt wird im Zuge der derzeitigen Affäre vor allem von Labour-Politikern ins Visier genommen, die ihr unsaubere Recherchemethoden vorwerfen. Schon während des jüngsten Irak-Kriegs mahnten Regierungsmitglieder, der Sender dürfe die Situation in dem Land nicht "übertreiben" und die Rolle des irakischen Widerstands nicht "überbewerten". Angriffe aus dem Regierungslager ist der Sender indes gewohnt: Als Großbritannien 1982 gegen Argentinien den Falkland-Krieg führte, warf die damalige Premierministerin Margaret Thatcher der BBC einseitige Berichterstattung zugunsten Argentinien vor. (AP/AFP)

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