"Terminator 3": Massenstart für ein Millionenpublikum

23. Juli 2004, 10:49
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Rund um "Terminator 3" zeigt sich einmal mehr: Strategie ist der halbe Erfolg, vom geglückten Startwochenende hängt viel ab

Strategie ist der halbe Erfolg: Rund um "Terminator 3" zeigt sich einmal mehr, wie sehr das einträgliche Geschäft mit den Hollywood-Blockbustern vor allem vom geglückten Startwochenende abhängt.


Wien - Als der Terminator anno 1984 nackt, wie der Maschinengott ihn schuf, das Licht der Leinwand erblickte, zogen Monate ins Land, bis die Novität aus den USA auch ins ferne Europa gelangte. Inzwischen hat sich diese Zeitspanne im Blockbuster-Business beträchtlich verkürzt:

X-Men 2 kam Anfang Mai weltweit nahezu gleichzeitig in die Kinos, The Matrix: Reloaded, The Hulk oder Charlie's Angels absolvierten seither ihre Premieren im Wochentakt. Und auch Terminator 3, die lange erwartete Fortsetzung der Saga vom Kampf Mensch gegen Cyborg, erreicht die Alte Welt derzeit innerhalb von Wochen nach dem US-Start.

Am Samstag feierte der von Jonathan Mostow inszenierte Terminator 3 - Rebellion der Maschinen etwa in Graz seine exklusive Österreichpremiere (regulärer Kinostart ist der 1. August). Und auch das darf als Teil jener Maßnahmen gesehen werden, die mittels gut getimter Vorabpromotion und darauf folgenden flächendeckenden nationalen Starts unter weit gehender Ausschaltung negativer Mundpropaganda oder der eigentlichen Filmkritik - die einzige Pressevorführung findet am 22. Juli statt - auf ein möglichst hohes Einspielergebnis am Startwochenende abzielen.

Angesichts des ökonomischen Hintergrunds ist das kein Wunder. Die Produktionskosten in Hollywood steigen nicht zuletzt bedingt durch Stargagen und Special Effects stetig. T3 etwa schlägt mit rund 170 Millionen Dollar zu Buche, dazu kommen kolportierte Werbebudgets von 40 Millionen.

Die generellen Besucherzahlen sind jedoch zumindest in den USA im ersten Halbjahr 2003 leicht rückläufig. T3 konnte zwar in den ersten fünf Tagen rund 72,5 Millionen Dollar einspielen, erreichte am zweiten Wochenende allerdings bereits um 55 Prozent weniger Zuschauer und hält inzwischen bei einem weltweiten Einspielergebnis von 137 Millionen Dollar.

Zufallsprodukt

Die Erwartungen, die mit den Startwochenenden verbunden sind, werden also immer größer: Dabei ist etwa die heute gängige Praxis der Massenstarts möglicherweise ein Zufallsprodukt, wie der Wiener Filmwissenschafter Robert Blanchet in seinem heuer beim Schüren Verlag erschienenen Buch Blockbuster. Ästhetik, Ökonomie und Geschichte des Postklassischen Hollywoodkinos schreibt:

Der Karatestreifen Billy Jack, dessen Regisseur einen Prozess wegen mangelnder Promotion seines Films gegen einen Major-Verleih gewonnen hatte, erzielte 1973 nach seinem neuerlichen, flächendeckenden Start in Südkalifornien derart sensationelle Einspielergebnisse, dass diese Strategie in Folge auch bei nationalen Filmstarts zum Einsatz kam.

Steven Spielbergs Der Weiße Hai wurde 1975 - mit nur 400 Kopien (heute kann man in etwa das Zehnfache veranschlagen) - als einer der ersten Filme auf diese Weise vermarktet. Diese Politik ist allerdings nur ein Teil der Entwicklung des US-Filmgeschäfts der letzten 25 Jahre:

Die großen Studios sind längst Teil eines Medienverbunds. Ein Film als solcher ist dabei nicht mehr das Kerngeschäft. Werbeverträge, Merchandising, TV-Rechte, Auswertung auf DVD und Video gehören wesentlich dazu. Das lässt sich aktuell im Werbefernsehen rund um Charlie's Angels beobachten, die jene Handydisplays geentert haben, die vor wenigen Wochen noch der Promotion der Rolling-Stones-Tournee vorbehalten waren und bald schon dem nächsten popkulturellen Großereignis gehören.

Wesentliches Merkmal von Blockbustern ist also ihre Anschlussfähigkeit. Ästhetisch weniger am klassischen Hollywood-Kino orientiert als an dessen Zeitgenossen aus der zweiten Reihe, "Serien, B-Movie-Abenteuern und episodischen Melodramen" (Murray Smith), zielen sie auch weniger darauf ab, ihr Publikum in eine komplexe Erzählung zu involvieren. Dafür bieten sie vielfältige Attraktionen und "tie-ins". Und leisten als Event, in dessen Gefolge sich alles Mögliche verkaufen lässt, Beachtliches:

So erhalten derzeit im Umfeld der T3-Premieren allerorten auch Arnold Schwarzeneggers Politkarierrepläne Öffentlichkeit. Dabei ist die Hollywoodkarriere des Exbodybuilders umgekehrt mit der Terminator-Serie, die James Cameron und Gale Anne Hurd erdachten, wesentlich verbunden. Und zahlreiche Kritiken des aktuellen Films attestieren dem Schauspieler, der als eine treibende Kraft bei der Fortsetzung agierte und den viele mit seinen 56 Jahren als Actionheld schon abgeschrieben hatten, eine seiner besten Leistungen seit langem.

Die Zeiten des "low-budget thrillers" Terminator jedenfalls, der seinerzeit circa 6,5 Millionen Dollar kostete und weltweit mehr als 80 Millionen einbrachte, sind vorbei. Der nächste Blockbuster-Countdown wird derweil sicherlich schon eingezählt. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.7.2003)

Von
Isabella Reicher

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terminator-3.de

terminator3.com

  • Ein Großereignis rückt näher: Ab 1. August nimmt Arnold Schwarzenegger mit "Terminator 3" auch das heimische Kinopublikum ins Visier
    foto: columbia

    Ein Großereignis rückt näher: Ab 1. August nimmt Arnold Schwarzenegger mit "Terminator 3" auch das heimische Kinopublikum ins Visier

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