Donaugeister im Flusslabor

9. August 2003, 15:52
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Die Narben, die das Hochwasser 2002 im oberösterreichischen Strudengau hinterlassen hat, sitzen tief. Die "Galerie im Fluss" will einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten

Olivgrün spult sich die Donau breit und friedlich am Bug der Motorzille ab. Nach dem Gewitterregen lassen dunkelgraue Wolkenfetzen die zerstörerische Naturgewalt des Stroms erahnen. Steigt die Donau, verschwinden die an der Uferböschung verstreuten erotischen Körperteile: Brust, Hand, Füße, Nabel, etwas abseits ein Ohr. Bernhard Tragut hat für die "Einblicke" Körperausschnitte auf Stein gemalt. Einen abgestorbenen Baum am Donauufer haben die Sintfluten entwurzelt. Mit künstlichen Blumen und Blättern transformierte ihn Nadine Rennert zum "Immerblühenden Baum".

In seiner beschaulichen Au-Umgebung symbolisiert er das Aufrappeln, Wiedererstehen der Natur nach der Katastrophe. Weiden ragen bis ins Wasser im Hüttinger Altarm, beim "Temporären Flusslabor". Auf Pontons schwimmend, wird in der Glaskonstruktion von Rolf Hinterecker mit einer Solarpumpe ein Miniaturhochwasser simuliert: Eine Schleuse lässt das Boot bis ins Zentrum des Labors vordringen. Durch die Glaskonstruktion kann man hochwassertypische Wasserbiologie beobachten. Die Fluten brachten eine alte, lehmüberzogene Puppe wieder zum Vorschein, wie andere vergessene Dinge. Im Mondschein leuchtet das Flusslabor mystisch und erinnert an die Donaugeister ... Die fünfzehn Kunstwerke der Galerie im Fluss von Künstlern aus Italien, Deutschland und Österreich können mit dem Faltboot oder der Motorzille entdeckt werden. (etz/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.7.2003)

Info unter galerieimfluss.com

Anmeldungen unter (0676) 444 06 11. Bis 27. 9.

  • "Temporäres Flusslabor"
    foto: galerie im fluss

    "Temporäres Flusslabor"

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