Familie vor Beruf

6. August 2003, 11:09
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Eurostat: Jede sechste Frau in der EU zwischen 25 und 54 Jahren kümmert sich ausschließlich um die Familie

Luxemburg/Wien - Jede sechste Frau in der EU zwischen 25 und 54 Jahren ist wegen familiärer Verpflichtungen nicht berufstätig. Das geht aus einer aktuellen „Eurostat“-Studie hervor. Insgesamt sind das 28 Prozent. Bei den Männern gingen nur acht Prozent keiner Beschäftigung nach. (Als "nicht beruflich aktiv" gelten in der Studie Personen, die im Erhebungszeitraum weder beschäftigt noch arbeitslos oder aktiv auf Arbeitssuche waren.)

Die Zahl der nicht am Arbeitsmarkt präsenten Frauen ist von Mitgliedsstaat zu Mitgliedsstaat verschieden: In den nordischen Ländern sind es rund 15 Prozent (Dänemark – drei Prozent, Finnland – sieben Prozent, Schweden – unter zwei Prozent), in den südlichen (Italien, Spanien, Griechenland, aber auch Luxemburg) zwischen 35 und 40 Prozent. In Österreich liegt die Rate der nicht am Arbeitsmarkt präsenten Frauen, die sich ausschließlich um die Familie kümmern, zwischen 25 und 54 Jahren bei 17,6 Prozent.

Jugendliche und Ältere

Bei den Jugendlichen waren 56 Prozent aller jungen Frauen und 49 Prozent aller jungen Männer zwischen 15 und 24 Jahren 2001 beruflich nicht aktiv, die meisten von ihnen standen zum Erhebungszeitpunkt noch in Ausbildung. Bei den Frauen zwischen 55 und 64 Jahren waren 69 Prozent nicht berufstätig; 31 Prozent davon wegen Pensionierung, 21 Prozent aufgrund von familiären Verpflichtungen und sieben Prozent wegen Krankheit oder Behinderung. Bei den Männern dieser Altergruppe lag die Inaktivitätsrate bei 48 Prozent.

Frauen-Beschäftigungsrate anheben

Die Studie beschäftigt sich allgemein mit nicht berufstätigen Menschen in der EU, die einen potentiellen Pool an zusätzlichen Arbeitskräften darstellen. Demnach gibt es fünf Hauptgründe, warum Menschen beruflich nicht aktiv sind: Ausbildung, Krankheit oder Behinderung, familiäre Verpflichtungen, Pension oder kein passender Job am Arbeitsmarkt. Die Ergebnisse der Untersuchung dienen als Basisdaten für die Europäische Beschäftigungspolitik, deren Ziel es unter anderem ist, die Beschäftigungsrate in der EU bis 2010 auf 70 Prozent anzuheben (2002: 64,3 Prozent); bei den Frauen sollen bis dahin über 60 Prozent beruflich aktiv sein (2002: 55,6 Prozent).

SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser meinte zu den Ergebnissen in einer Aussendung, Österreich müsse sich mehr an den nordischen Staaten orientieren, denn: „Länder mit hoher Frauenerwerbsquote bieten gleichzeitig flächendeckende Kinderbetreuungsplätze sowie ganztägige Schulformen an. Österreich hat dabei enormen Nachholbedarf. Beschäftigungspolitisch sei es wichtig, dass verstärkt Frauen und vor allem auch Alleinerzieherinnen ihren Beruf ausüben können. Dafür seien allerdings personelle und finanzielle Investitionen notwendig. (red)

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    Jede sechste Frau zwischen 25 und 54 in der EU ist wegen Familie nicht beruflich aktiv.
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