Das Gegenteil dessen tun, was erwartet wird

22. Mai 2013, 19:23
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"Paradoxe Transformationen": Die Galerie Huber zeigt neue Arbeiten von Rudolf Polanszky

Wien - Die Mathematik hätte ihn immer beeindruckt, erwähnt Rudolf Polanszky in einem Videointerview. Aber nicht etwa aufgrund objektivierbarer Regeln: "Da gibt es große Unendlichkeiten und kleine Unendlichkeiten. Das ist vollkommen paradox, das gefällt mir."

Dieser Aussage durchaus entsprechend, hat die Kunst des 1951 in Wien geborenen Künstlers mit Formelhaftigkeit gar nichts zu tun. An " Strategien zur Umgehung fremdbestimmten Verhaltens" interessiert, hat er in filmischen und bildnerischen Experimenten vielmehr erprobt, wie man die Dinge eben nicht nach eingeübten Vorstellungen formt: In den 1980er-Jahren entstanden so etwa die Sprungfeder-Zeichnungen (1983- 1985), für die Polanszky gemeinsam mit Franz West ein "Gerät" erfand. Um jeder Vorbestimmtheit zu entgehen, saß er auf einem Stuhl mit einer Sprungfeder und überließ die malerische Komposition an der Wand dem Zufall und seiner Sportlichkeit.

Schon früher entstanden auch Super-8-Filme wie Der musikalische Affe (1979) oder Die Semiologie der Sinne (1976), in denen er über die Dekonstruktion des filmischen Aufbaus, mit der Wahrnehmung, dem Illusionären und dem Erkennen spielt.

In seiner Ausstellung Paradoxe Transformationen, der ersten bei Galerist Andreas Huber, sind nun Objekte und Installationen zu sehen, die alle jüngeren Datums sind. Ausgangspunkt der ebenso fragilen wie raumgreifenden Objekte sind meist gefundene Industriematerialien wie Eisen-, Holz- oder auch Plastikstücke.

In der Zusammensetzung der meist sehr sperrigen Teile bleibt der theoretisch versierte Künstler seinen prozessorientierten, zufälligen und bewusst nichtkonstruktiven Ansätzen treu: So liegen die einzelnen Teile manchmal nur lose übereinander und sind noch mit Staub und Blütenpollen bedeckt. Viele seiner sogenannten Reconstructions hat er aber auch mit Plexiglas überzogen und so die an ihnen exemplifizierte " paradoxe Transformation" in einen eingefrorenen Zustand gebracht.  (Christa Benzer, DER STANDARD, 23.5.2013)

Bis 22. 6., Galerie Andreas Huber, Schleifmühlgasse 6-8, 1040 Wien

 

  • Zufällig und bewusst nicht konstruktiv: raumgreifendes Objekt von Rudolf Polanszky in der Galerie Andreas Huber. 
    foto: galerie huber

    Zufällig und bewusst nicht konstruktiv: raumgreifendes Objekt von Rudolf Polanszky in der Galerie Andreas Huber. 

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