Wiener Verbesserer: Teil der Lösung, nicht des Problems

22. Mai 2013, 18:21
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Wer sich mit seiner Geschäftsidee für einen positiven Wandel der Gesellschaft einsetzen will, kann sich im Hub Vienna mit Gleichgesinnten vernetzen

Wien - Da ist zum einen die Idee, Obdachlose in Prag als Fremdenführer zu engagieren. Funktioniert so gut, dass vom Goethe-Institut bis zur deutschen TAZ über das Projekt Pragulic berichtet wird. Oder die Vison von Ionnis Tarmanas, Neuropsychologe mit dem Codenamen "Dream Catcher", der mittels einer Software Demenz im Frühstadium erkennbar machen und hinauszögern möchte. Vorherige Mission? "Zwölf Jahre Erfahrung mit Alzheimer und virtueller Realität", steht auf Tarmanas Projektbeschreibung.

"Diese Person wird einen Unterschied machen", kann jeder Besucher lesen, der sich dem Spiegel in der umgebauten Fabrikshalle in der Lindengasse zuwendet. Es ist die Kernbotschaft im Hub Vienna, einem internationalen Netzwerk für soziale Unternehmer: Jeder kann etwas verändern.

Netzwerk der Verbesserer

Das Hub Vienna, gegründet 2009, ist gleichzeitig Treffpunkt und Arbeitsort für Kleinunternehmer und Kreative, die mit ihren Ideen nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen gesellschaftlichen oder ökologischen Anspruch verfolgen. In den Projekten der rund 300 Mitglieder in Wien geht es um nachhaltige Mode, Bekämpfung von Jugendverschuldung, Bildungsgerechtigkeit, erneuerbare Energien oder Müllvermeidung.

"Wer hierher kommt, will nicht nur einen günstigen Arbeitsplatz, sondern Austausch", sagt Matthias Reisinger, Geschäftsführer und einer der vier Gründer des Hub Vienna. Mitgliedschaftsbeiträge staffeln sich je nach Bedarf von 20 bis 300 Euro. Manche kommen nur einmal im Monat, andere jeden Tag. Es gibt gemeinsame Kochabende, Strategie- und Businessplanworkshops. Im Moment entwickelt ein Mitglied mit Investmenterfahrung einen Fonds für nachhaltige Projekte.

Weltweite Vernetzung

Die acht Mitarbeiter des Hub versuchen die richtigen Leute miteinander in Verbindung zu bringen. Weiters gibt es eine Art internes Facebook, wo über aktuelle Projekte und Konzepte berichtet wird. Wer sich einmal erfolgreich mit seiner Idee vorgestellt hat, kann die Räumlichkeiten und das Netzwerk aller Hubs weltweit nutzen. Bis Jahresende soll die Gemeinschaft auf etwa 10.000 Mitglieder in 50 Ländern anwachsen, derzeit sind es 35.

Das lichte und großräumige Loft im siebten Bezirk haben die Mitglieder zum Großteil selbst restauriert. Von Anfang an involviert zu sein ist auch Teil der Philosophie. Offenheit und Gemeinschaftssinn sollen sich in den Räumlichkeiten widerspiegeln. Die Sessel in den Workshopräumen sind aus alten Spielkonsolen hergestellt, die Wände sind verschiebbar.

"Keine starren Strukturen"

"Wir wollten keine starren Strukturen, weder in der Architektur noch im Denken", erklärt Reisinger. Wie er selbst zum Social Entrepreneur wurde? " Ich wollte immer Teil der Lösung sein", sagt der 29-Jährige. Er kam direkt von der Wirtschafts-Uni (WU) zur Hub-Gründung. "Ich finde es spannend, wie wirtschaftliche Werkzeuge für gesellschaftliche Veränderungen eingesetzt werden können. Außerdem will ich am Ende des Tages wissen, wofür ich gearbeitet habe."

An diesem Nachmittag verteilen sich rund 20 Personen in den Räumen. Einige sitzen in Gruppen neben der offenen Küche zusammen, andere etwas abseits und alleine über ihren Laptops. Laut einer internen Studie arbeiten die meisten effizienter in den Gemeinschaftsräumen als zu Hause oder im Kaffeehaus. "Der Geräuschpegel hält sich in Grenzen", sagt eine junge Frau. Wer in Ruhe gelassen werden will, kann ein "Busy"-Schild vor sich postieren.

Vor fünf Jahren haben die Hub-Mitglieder aus Wien den Social Impact Award mit der WU ins Leben gerufen. Jetzt haben sie mit fünf anderen Hubs die EU-Finanzierung für das Benisi-Projekt gewonnen. Über drei Jahre lang sollen rund 300 soziale Innovationen in Europa realisiert werden. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 23.5.2013)

  • Im Hub Vienna werden Onlinespiele gegen Jugendarmut entwickelt, nachhaltige Jeans entworfen und die Idee von Marmeladen aus Wegwerfobst der großen Supermarktketten geboren.
    foto: standard/newald

    Im Hub Vienna werden Onlinespiele gegen Jugendarmut entwickelt, nachhaltige Jeans entworfen und die Idee von Marmeladen aus Wegwerfobst der großen Supermarktketten geboren.

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