Stronachs "Macher" kommt aus dem ÖVP-Umfeld

22. Mai 2013, 18:34
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Parlamentsklubchef Lugar will auch im Bund in die Regierung - am liebsten gemeinsam mit den Grünen

Salzburg/Wien - In Salzburg hätte das Team Stronach mit 8,3 Prozent Stimmenanteil und drei Mandaten erstmals die Gelegenheit, in eine "echte" Koalitionsregierung einzusteigen. Während in Niederösterreich und in Kärnten die Regierungsbeteiligung der Stronach-Partei aus dem Proporzsystem resultiert, hat Salzburg analog zum Nationalrat eine freie Mehrheitsbildung im Landtag.

Angeführt wird die Gruppe vom landespolitisch unerfahrenen ÖVP-Dissidenten und Goldegger Bürgermeister Hans Mayr. Auch der Listenzweite, Ex-Teamtormann Otto Konrad, kann kaum auf Erfahrung verweisen. Der größte Unsicherheitsfaktor heißt Helmut Naderer. Naderer schillert in vielen Farben: in den 1990er-Jahren Stellvertreter von FPÖ-Landesparteichef Karl Schnell, von 1994 bis 2004 auch im Landtag. Der Polizist wechselte dann zum BZÖ und ist über die "Freien Wähler" Vizebürgermeister von Seekirchen (Flachgau) geworden.

Der eigentliche Macher im Hintergrund ist Wahlkampfleiter Walter Rettenmoser. Er saß auch bei den ersten Parteiengesprächen mit am Tisch. Rettenmoser war einst Sekretär und Sprecher von ÖVP-Minister Robert Lichal.

Rettenmoser zählt gemeinsam mit Mayr oder der aus dem ÖVP-Wirtschaftsbund kommenden Wiener Parteichefin Jessi Lintl zur kleinen Gruppe der schwarzen Überläufer. Nach wie vor aber prägen ehemalige FPÖ- und BZÖ-Parteigänger das Bild der Stronach-Partei. " Natürlich hätte ich es lieber bunter und andere Parteien stärker an Bord, aber es war am Anfang halt notwendig, dass wir mit BZÖ-Politikern einen Klub zustande bringen", sagt der stellvertretende Parteiobmann Robert Lugar. Abseits der Landtagswahlen, die von chaotischen Personalentscheidungen begleitet waren, ist es um das Team Stronach in den vergangenen Wochen ruhig geworden. "Wir waren einfach sehr beschäftigt mit den Landtagswahlen, das war organisatorisch ein großer Auftrag für eine so junge Partei. Das Interesse an unserer Partei hat aber nicht abgenommen. Wir bekommen wöchentlich rund hundert neue Mitglieder", sagt Lugar. In den nächsten Wochen werde die Partei wieder " antauchen". Auch weil "Frank" wieder im Land sei. Lugar: "Wir werden zum Beispiel die Macht der Gewerkschaft, vor allem der Lehrergewerkschaft, thematisieren."

Eine Koalition mit dem Team Stronach soll es künftig jedenfalls auch im Bund geben: "Wir sind für alle ein Partner, wenn die Inhalte stimmen." Bevorzugen würde Lugar auch hier eine gemeinsame Koalition mit den Grünen, was diese aber (Bericht oben) kategorisch ablehnen. (mue, neu, DER STANDARD, 23.5.2013)

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