Karenz bringt nur Frauen den Karriereknick

22. Mai 2013, 18:03
101 Postings

"San S' froh, dass Sie überhaupt eine Arbeit haben": Viele erwerbstätige Mütter finden laut einer neuen Studie nach der Karenz nicht mehr in einen gleich dotierten Job zurück - im Gegensatz zu den Vätern

Wien - They'll never come back": Die alte Boxerweisheit über die Aussichtslosigkeit der Rückkehr in eine einst erfolgreiche Karriere gilt auch für viele Frauen, die ein Kind bekommen. Das belegt eine neue Studie, aus der die Arbeiterkammer einen bitteren Schluss zieht: "Karenz bringt Müttern massive Nachteile, Vätern kaum."

Die Erkenntnis basiert auf dem "Wiedereinstiegsmonitoring", das das Institut L & R Sozialforschung im Auftrag der AK erstmals durchgeführt hat. Die Experten nahmen nicht bloß Stichproben, sondern analysierten Jahr für Jahr Vor- und Nachkarriere jeder einzelnen Person, die von 2006 bis 2010 Kindergeld bezogen hatte - im letzten Untersuchungsjahr waren das 74.000 Frauen und 11.000 Männer. Künftig soll das Monitoring laufend aktualisiert werden.

Die Daten zeigen, dass Mütter einen starken Karriereknick hinnehmen. Verdienten ein Jahr vor Karenzantritt noch 45 Prozent der überwiegend erwerbstätigen Frauen mehr als 2000 Euro brutto im Monat, waren es vier Jahre später nur mehr 17 Prozent. Männern bescherte die Karenz hingegen kaum finanzielle Nachwehen: Der Anteil über der 2000-Euro-Grenze lag im vierten Jahr mit 50 Prozent wieder fast so hoch wie zu Beginn.

Teilzeit als zentrale Ursache

Als wichtigste Ursache vermutet AK-Expertin Gerlinde Hauer den hohen Anteil von Müttern in Teilzeit; genau beziffern lässt sich das Ausmaß des Einkommensnachteils mangels Daten nicht. Erfahrungen aus der Arbeitsrechtsberatung zeigten aber ebenso, dass Frauen nach der Karenz oft degradiert würden, ergänzt AK-Präsident Rudolf Kaske. "San S' froh, dass Sie überhaupt einen Job haben", würden Arbeitgeber so mancher Rückkehrerin bescheiden, "da wird es die Regalbetreuerin statt der Filialleiterin auch tun."

Generell glaubt Kaske, dass der finanzielle Nachteil, "den Frauen bis zur Pension mitschleppen", weniger mit freiwilliger Wahl von Kind statt Karriere zu tun habe denn mit fehlender Unterstützung. Der AK-Chef fordert 100 statt nur 15 Millionen pro Jahr für den Ausbau der Kinderbetreuung, maßgeschneiderte AMS-Programme für Wiedereinsteigerinnen sowie Änderungen im Arbeitsrecht: So solle das Recht auf Elternteilzeit auch in Kleinbetrieben bis 21 Arbeitnehmer gelten.

Bestärkt fühlt sich die AK auch vom Umstand, dass Frauen ihre Karrieren (zu) lange unterbrechen. Laut Studie kehrten von jenen Müttern, die vor der Karenz überwiegend beschäftigt waren, nach zwei Jahren erst 38 Prozent in den Job zurück, nach vier Jahren sind es 70 Prozent. Die Männer schaffen viel rascher ein Comeback: Nach drei Monaten sind wieder 53 Prozent beschäftigt, nach zwei Jahren 87 Prozent.(Gerald John, DER STANDARD, 23.5.2013)

Share if you care.