Auf der Krim trafen Neandertaler und moderne Menschen aufeinander

26. Mai 2013, 12:02
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Grabungsprojekt deutscher Forscher soll Antwort erbringen, warum unser Verwandter ausgestorben ist

Erlangen/Nürnberg - Auf der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer wurden die bisher jüngsten Spuren von Neandertalern gefunden. Und nicht nur das: Es gibt auch zahlreiche Indizien dafür, dass Neandertaler und Homo sapiens dort über lange Zeit hinweg nebeneinander lebten, berichtet die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Ein Lebensraum, zwei intelligente Spezies

"Von der Krim stammen außerordentlich spät datierte Fundstellen des Neandertalers", sagt Thorsten Uthmeier vom Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der FAU, der Untersuchungen in der Region leitet. Gleich an mehreren Plätzen haben Wissenschafter typische Werkzeuge, Reste von Jagdbeute und Feuerstellen ausgegraben, die sich unmittelbar mit dem Neandertaler verknüpfen lassen. Bisherige Altersbestimmungen mit der Radiokarbonmethode haben ergeben, dass diese Überreste etwa 10.000 Jahre jünger sind als alle anderen bekannten Funde unseres ausgestorbenen Vetters in seinem gesamten Verbreitungsgebiet von der Iberischen Halbinsel bis nach Sibirien.

Außerdem haben Forscher Werkzeuge des Neandertalers und des modernen Menschen in denselben Schichten gefunden. Dies deutet darauf hin, dass sich beide Menschenformen innerhalb von sehr kurzen Zeiträumen nacheinander oder sogar gleichzeitig auf der Krim aufgehalten haben. Hatte man bisher angenommen, Neandertaler und moderne Menschen hätten sich nur einmal vor zirka 60.000 Jahren im Vorderen Orient vermischt, so könnte dies auch wesentlich später auf der Krim passiert sein – ein europaweit einzigartiges Szenario. 

Was war unser Vorteil?

Diesen Sommer beginnen die FAU-Forscher in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften an mehreren Fundstellen mit insgesamt auf drei Jahre angelegten Geländearbeiten. Dabei sollen Ausgrabungen an einem Jagdlager und einem Felsdach – Orte, die von Neandertalern genutzt wurden – und an einer Fundstelle des frühen modernen Menschen durchgeführt werden.

Die Forscher wollen die bereits ergrabenen Fundstellen von Neandertaler und Homo sapiens erneut untersuchen. Ihr Ziel ist es, die Zeiträume einzugrenzen, in denen sich Neandertaler und moderner Mensch begegnet sein könnten. Anhand der Steinwerkzeugen und Jagdbeutereste sollen die Wirtschafts- und Lebensweisen beider Menschenformen rekonstruiert werden.

Die Forscher erhoffen sich daraus eine Antwort auf die Frage, ob Neandertaler aufgrund einer grundsätzlich anderen, möglicherweise weniger effektiven oder nachhaltigen Nutzung ihrer Umwelt einen Wettbewerbsnachteil hatten, der zu ihrem Aussterben beigetragen hat. Oder ob es andere – etwa physische oder soziale – Gründe gab, die unseren Vorfahren einen Vorteil verschafft haben. (red, derStandard.at, 26. 5. 2013)

 

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