"Schon sehr dumme Fragen"

22. Mai 2013, 17:18
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Er lachte entspannt, war nicht jene gestrenge Kunstfigur, die ihren Fragegriller anwirft und sich auf den Tisch legt

Was für Evergreen Giovanni Trapattoni seine Wutrede als Bayern-Trainer ("Ich habe fertig!") ist, also ein Markenzeichen für die Ewigkeit, das könnte für ZiB 2-Vorstand Armin Wolf sein erstes Interview mit Stronach werden. Es war ja ein Dokument des gegen Windmühlen hölzerner Unbelehrbarkeit anfragenden Journalismus. Und es kam auch bei Wolfs "Willkommen Österreich"-Besuch zur Sprache.

Das Schöne: Man merkte, dass Wolf am Betrachten von Teilen des am Abbruch entlangschlitternden Verbalcrashs seine Freude hatte, also keinerlei Anzeichen eines Traumas erkennen ließ. Er lachte entspannt, war nicht jene gestrenge Kunstfigur, die ihren Fragegriller anwirft und sich (am "ZiB 2"-Schluss) auf den Tisch legt. Sogar Ergänzendes zu Stronach hatte Wolf auf Lager: Es begab sich, so Wolf, dass Stronach nach dem Interview aufstand und - während Wolf einen ZiB 2-Beitrag anmoderierte - auf ihn herabblickend zu einer Bewertung ansetzte. "Du hast aber schon sehr dumme Fragen gestellt", habe Stronach gemeint, worauf Grissemann - gottlob diskret wie immer - zur Frage anhob, ob Stronach "eigentlich verrückt" sei.

Wolf, der Wasser trank, wollte sich nicht als Psychiater betätigen. Er versuchte jedoch eine Erklärung, warum Stronach nicht als zweite Witzfigur neben Lugner wahrgenommen wird: Es würden sich die Leute wohl denken, jemand, der 120.000 Arbeitsplätze geschaffen habe und auf einem Milliardenvermögen sitze, müsse doch etwas können. So ging ein Plausch beschwingt seinem Ende entgegen, ein Plausch, über den sich jenes sagen ließ, was Wolf als ZiB 2-Stärke diagnostizierte: "Man ist nach der Sendung nicht dümmer." (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 23.5.2013)

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