Giftiges Mutterkorn an Küstenpflanzen entdeckt

26. Mai 2013, 17:45
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Als Getreideparasit gefürchtet, hat der Pilz inzwischen einen weiteren Wirt gefunden

Hannover - Bekannt ist der Mutterkornpilz (Claviceps purpurea) als gefährlicher Parasit von Getreidepflanzen. Gelangt das Mutterkorn in die menschliche Nahrung, löst es eine Vergiftung aus, die von Krämpfen und Durchblutungsstörungen über Halluzinationen bis zum Tod führen kann. Offenbar befällt der Pilz aber auch andere Pflanzen, wie die Universität Hannover berichtet.

Mitarbeiter der Instituts für Botanik der Uni Hannover fanden bei einer Exkursion an den Jadebusen an der Nordseeküste Mutterkorn an Schlickgras (Spartina anglica). Um den Ausmaß des Befalls genauer abschätzen zu können, fuhren Mitarbeiter des Instituts die gesamte Wattenmeerküste von den Niederlanden bis nach Dänemark ab und untersuchten die Schlickgras-Bestände. Tatsächlich fanden sie überall in den Grasrispen die Überwinterungsorgane des Pilzes, sogenannte Sklerotien - sogar deutlich mehr als sonst auf Roggen. 

Giftig und mittlerweile weit verbreitet

Anschließend wurde untersucht, wie giftig das Schlickgras-Mutterkorn tatsächlich ist. "Es kam heraus, dass die Konzentrationen der giftigen Mutterkorn-Alkaloide sogar höher waren als beim Roggen-Mutterkorn", berichtet Jutta Papenbrock vom Insitut für Botanik. "Mehrere der Sklerotien können ein Kleinkind töten."

Sorgen macht den Wissenschaftern, dass das Schlickgras Spartina anglica, das eigentlich nicht in Europa heimisch ist, aber zur Küstenbefestigung in England und den Niederlanden angebaut wurde, inzwischen fast überall im Küstenbereich bis hoch an die Deiche wächst. Also auch in der Nähe beweideter Wiesen: Schafe, aber auch Kinder oder Hunde könnten somit gefährdet sein. 

Forscher halten Maßnahmen für notwendig

Da sich die Sklerotien erst im Herbst entwickeln, seien immerhin die Sommermonate relativ gefahrenfrei. "Allerdings haben wir festgestellt, dass das Gift kaum abgebaut wird", berichtet Papenbrock. Die Wissenschafter haben die Behörden über ihre Beobachtung informiert, bezeichnen die bisherigen Reaktionen darauf aber als "dünn".

Um die potenziell gefährliche Ausbreitung zu stoppen, müsse man Experten mit ins Boot holen, die sich mit invasiven Arten beschäftigen und auch international zusammenarbeiten. Bisherige Bemühungen, Schlickgras durch Mähen oder Verbrennen einzudämmen, blieben laut Uni Hannover weitgehend erfolglos. (red, derStandard.at, 26. 5. 2013)

 

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