Von der Wahrhaftigkeit des Daseins

22. Mai 2013, 16:04
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Unter dem Titel "Ich fiel in eine Welt" gesammelte Gespräche von Thomas Trenkler mit Kulturschaffenden über die Kunst und das Leben

Um das Suchen und Finden, das Hinterfragen, Fortgehen, das Sich-Finden und Sich-Verlieren, um das Wechselspiel kultureller Identität, Tradition, Sozialisation und persönlicher Entwicklung im Orbit kreativer Prozesse dreht sich das Universum einer Porträtserie von Thomas Trenkler. Das der Erkenntnis der Abnabelung gleichkommende Bekenntnis Ich fiel in eine Welt von Karl Markovics gab der Sammlung von in den Kulturzeitschriften Morgen und Parnass sowie im STANDARD erschienenen Gesprächen über die Kunst und das Leben per se den Titel.

Auf der Basis fundierten Fachwissens, seiner investigativen Ader und mittels sensibler Gesprächsführung entlockte Kulturredakteur Thomas Trenkler seinen Interviewpartnern vielerlei Unbekanntes, oft höchst Persönliches. Man erfährt Intimes über Valie Export und Peter Weibel, Arnulf Rainer und Maria Lassnig, über die Sucht nach kreativer Ausdruckskraft, über Ängste von Daniel Spoerri, Sabine Haag, Josef Hader, das Alter Ego von Gustav Peichl oder Paulus Hochgatterer und dass der Wunsch, Frauen zu imponieren, Hermann Nitschs Schaffensmotivation gewesen sei. Berührend die Sequenzen mit Julian Schutting und Andrea Eckert. Momente wie jene der Öffnung um den Lebensmenschen des sonst so um seine Privatheit bemühten Michael Heltau spiegeln sich auch in sensiblen Fotoserien von Rita Newman wider. Wider die Usancen unserer auf Utilitarismus und Effizienz ausgerichteten Dekade der räumlichen sowie zeitlichen Verknappung. Gerade aber diese epische Breite, das Gewähren von Nachdenkphasen mit Nuancierung, Aussparungen und Abschweifungen - entgegen der Alltäglichkeit des Faktischen - verleiht den Gesprächen Zeitlosigkeit.

Analog zu den Gesetzen der Physik gewährt das Auffächern des sonst scharf zielgerichteten Scheinwerfers ein fein nuanciertes psychologisches Spektrum ungeahnter Vielfalt. Anstelle der Fragen des Wer, Was, Wann und Wo tritt eindringlich das Warum.

Und letztendlich, nicht mehr und nicht weniger, worum es im Leben geht. (Gregor Auenhammer, Album, DER STANDARD, 18./19./20.6.2013)

  • Thomas Trenkler, "Ich fiel in eine Welt". Fotos von Rita Newman. € 29,90 / 160 S., Christian-Brandstätter-Verlag, Wien 2013
    foto: matthias cremer

    Thomas Trenkler, "Ich fiel in eine Welt". Fotos von Rita Newman. € 29,90 / 160 S., Christian-Brandstätter-Verlag, Wien 2013

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