Häufige Verwechslung von Sportlerleiste und Leistenbruch

22. Mai 2013, 16:44
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Die Symptome einer Sportlerleiste und eines Leistensbruchs sind oberflächlich betrachtet sehr ähnlich

Wien - Leistenbeschwerden sind besonders im Leistungssport ein weit verbreitetes Übel. Auch so manchem Hobbysportler, der nur fallweise, dafür aber umso intensiver trainiert, ist heftiger Leistenschmerz nicht unbekannt. Was sich auf den ersten Blick wie ein Bruch anfühlt, kann sich auch als typische Sportlerleiste entpuppen. Damit bezeichnen Ärzte die Folgen einer Reihe teils recht schmerzhafter Sportverletzungen. Meist sind es kleine Muskel- oder Bindegewebsrisse oder Reizungen der Sehnen.

"Eine ganz genaue Abklärung ist aber wichtig, da die Symptome bei oberflächlicher Betrachtung ähnlich wie bei einem Leistenbruch sein können", warnt Viszeralchirurg Andreas Franczak vom Evangelischen Krankenhaus-Wien.

"Der Satz 'Ich habe mir einen Bruch gehoben' stimmt so nicht", erklärt der Wiener Allgemeinmediziner und Sportarzt Alexander Ditscheiner. Denn nach jähen Belastungen wie etwa dem Heben schwerer Gewichte, treten eher Verletzungen an Muskeln oder Bindegewebe auf. "Ein Leistenbruch hingegen entwickelt sich üblicherweise mit der Zeit aus wachsender Bindegewebsschwäche und regelmäßigen Belastungen heraus", so Ditscheiner.

Belastungspause für sechs Wochen

Durch genaues Hinterfragen der Beschwerden, Ultraschall-Untersuchung, Abtasten des Unterbauchs und Funktionstests kann in der Regel eine klare Diagnose gestellt werden. Handelt es sich um eine Sportlerleiste, ist eine Belastungspause einzulegen. "Pausieren beim Sport,  Eisbeutelauflage, Physiotherapie, Manualtherapie und blutverdünnende Salben sollten nach spätestens sechs Wochen zur Beschwerdefreiheit führen, andernfalls können diese Schmerzen chronisch werden. Für Leistungssportler heißt das im schlimmsten Fall ein Ende der Sportlerkarriere", warnt Mediziner Ditscheiner.

Zeigen die Belastungspause und die begleitenden Maßnahmen keinen Erfolg und sollte die Hinterwand der Leiste bereits sehr geschwächt sein, empfehlen neuere Studien die operative Versorgung. "Sie gilt in solchen Fällen oder bei ausgeprägtem Leistenbruch als zielführendste und nachhaltigste Maßnahme um das Bindegewebe zu stabilisieren sowie schmerzfrei zu werden", erklärt Andreas Franczak. 

Nach einer Woche wieder zum Training

Eine Option stellt in diesem Fall die relativ neue und minimal-invasive Operationsmethode, die sogenannte TEPP-Technik, dar. Dabei wird über drei winzige Einstiche die Schwachstelle in der Leiste außerhalb der Bauchhöhle mit einem Netz gestärkt. "Da bei dieser Technik der Zugangsweg außerhalb der Bauchhöhle liegt und keine Verankerungsklammern gesetzt werden müssen, vermeidet man Bauchfellverletzungen, Verwachsungen und Nervenschäden in der Bauchhöhle", erklärt Chirurg Franczak.

Während eines Eingriffs können beide Leisten durch dieselben Öffnungen operiert werden. Laut Angaben des Mediziners ist nach dem Eingriff üblicherweise ein Klinikaufenthalt von einem Tag notwendig. Berufe, die keine körperliche Belastung erfordern, können bereits nach zwei Tagen wieder ausgeübt werden und ein Sportler nach einer Woche wieder mit dem Training beginnen, ergänzt Franczak. (red, derStandard.at, 22.5.2013)

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