Aroma, bitte!

Kolumne26. Mai 2013, 15:38
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Conrad Seidl sucht einen neuen Zugang zum rar gewordenen Leichtbier

Die Sache mit dem Leichtbier war von Beginn an verkorkst. Im deutschen Sprachraum ist amerikanisches "light beer" nämlich nie verstanden worden. Jenseits des großen Teichs ging es beim Begriff "light" nie um alkoholreduzierte Biere, sondern um Biere mit weniger Kohlehydraten - und das kannte man hierzulande unter dem nicht besonders attraktiven Begriff "Diätbier". Auch als "dry beer" hat sich das nicht so recht durchsetzen können: Als Reininghaus vor 20 Jahren "Reininghaus Dry" auf den Markt gebracht hat, war so mancher Kellner überfordert zu verstehen, ob ein Gast "ein Bier", "drei Bier" oder "ein Dry Beer" haben wollte.

Also wurde Leichtbier anders interpretiert - als leichter eingebraute Version eines gängigen Märzenbieres. Die meisten Ergebnisse waren nicht befriedigend, die Leichtbiere sind großteils vom Markt verschwunden. Allenfalls als "leichte Weisse" haben sie eine Nische finden können - obergärige Biere können ja auch in leichteren Versionen ihren Charme ausspielen. Wir werden noch darauf zurückkommen.

Duft von Hefe und frischen Sägespänen

Vorher haben wir zwei Entdeckungen aus Österreich zu vermelden: Da ist zum einen ein nach amerikanischem Vorbild als "low carb"-Bier ausgelegtes Bier namens "Nixe" (mit 75 Prozent weniger Kohlehydraten ein Dry Beer), zum anderen das "Egger Spritz", ein gelungener Relaunch des "Egger leicht" mit dreieinhalb Prozent Alkohol: In der Nase ein Duft von Hefe und frischen Sägespänen, der Trunk ist schlank und leicht herb - und obwohl die Bittere nicht sehr ausgeprägt ist, spielen CO2 und Hopfengeschmack gut zusammen, was für ausreichende Vollmundigkeit sorgt.

Allerdings: Ein bisserl mehr Hopfenaroma würde man sich schon wünschen. Martin Simion, einem jungen österreichischen Braumeister, ist das Kunststück gelungen, ein vollmundiges Bier mit nur 2,7 Prozent Alkohol herzustellen - leider nicht in Österreich, sondern in Dänemark. Es heißt "Fano Havgus" und wird nicht als Leichtbier, sondern als "Session IPA" vermarktet: Die Farbe ist zwischen Orange und Bernstein angesiedelt, und auch die Trübung erinnert an manche Hefeweizen; der Duft wird mit Grapefruit und Kiefernnadeln assoziiert. Überzeugend ist aber der satte, fruchtige Trunk: Hier mischen sich Süße, Erinnerungen an Mangosaft und eine heuartige Bittere. Das geht nur mit obergäriger Hefe - vielleicht verrät Martin ja einer österreichischen Brauerei das Rezept? (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 24.5.2013)

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    Ein bisserl mehr Hopfenaroma würde man sich bei Leichtbieren schon wünschen.

  • "Fano Havgus" ist eine Ausnahme: ein vollmundiges Bier mit nur 2,7 Prozent Alkohol.
 
    foto: conrad seidl

    "Fano Havgus" ist eine Ausnahme: ein vollmundiges Bier mit nur 2,7 Prozent Alkohol.

     

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