HTC: Kündigungen, Produktionsprobleme und Zukunftsängste

22. Mai 2013, 11:00
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Dem taiwanesischen Hersteller laufen Kunden, Mitarbeiter und Partner davon

Der taiwanesische Smartphone-Hersteller HTC hat nicht nur mit dem heiß umkämpften Smartphonemarkt seine Probleme, sondern offenbar auch einige interne Kämpfe am Laufen. So hat der wichtigste Produktionsmanager des Unternehmens, Kouji Koder, das Unternehmen letzte Woche überraschend verlassen. Wie "The Verge" berichtet, ist das vor allem angesichts des Verkaufsstarts des HTC One überraschend, zeigt jedoch, wie problematisch offenbar die internen Strukturen sind.

Hochrangige Mitarbeiter verabschieden sich

In den letzten Monaten sollen neben Koder auch einige andere Mitarbeiter das Unternehmen schlagartig verlassen haben: Der Kommunikations-Manager Jason Gordon, Marketing-Managerin Rebecca Rowland, Digital-Marketing-Chef John Starkweather und Produktstratege Eric Lin. Einige der ehemaligen Mitarbeiter sind nun bei Microsoft untergebracht, Starkweather ist nun beim US-Mobilfunker AT&T.

HTC im freien Fall

Die ehemaligen Mitarbeiter machen auch keinen Hehl aus ihren Entscheidungen. Eric Lin twitterte beispielsweise: "An alle meine Freunde, die noch bei HTC sind: Geht einfach! Geht jetzt. Es ist ein harter Schritt, aber ihr werdet so viel glücklicher sein, ich schwöre es" Und Lin ist nicht der erste, der sich negativ über seinen ehemaligen Arbeitgeber äußert und dazu aufruft, das sinkende Schiff zu verlassen. HTC würde sich "in freiem Fall" befinden.

Fehlgriff "HTC First"

Neben der schlechten Stimmung, die vor allem durch HTCs geschwächte Marktposition gegeben ist, sei auch die Umstrukturierung schuld, die unter anderem durch den neuen Marketing-Manager Ben Ho zu HTC gedrungen ist. Zudem werden Entscheidungen des Managements und von Partnern intern skeptisch beobachtet. So sollte das HTC First – das "Facebook Phone" – zunächst exklusiv in Zusammenarbeit mit Facebook auf den Markt kommen, noch bevor das soziale Netzwerk Facebook Home zum Download bereitstellen wollte. Facebook machte jedoch in letzter Minute einen Schwenk und das HTC First als auch Facebook Home wurde in derselben Woche veröffentlicht. Seitdem gibt es Gerüchte über ein totales Versagen der Marketingstrategie. Einige Branchenbeobachter meinen inzwischen, das Handy sei "tot" und nur noch schwer unter die Leute zu bringen.

Die Konkurrenz schläft nicht

Skepsis gibt es aber vor allem an der Führung von CEO Peter Chou. Dieser soll versprochen haben, zurückzutreten, sollte sich das Flaggschiff "HTC One" als Verkaufsdesaster herausstellen. Der HTC-Chef soll von einigen Mitarbeitern Monate vor der Ankündigung des "HTC One" gewarnt worden sein, dass es mitunter Probleme bei der Bereitstellung von Ressourcen und der Lieferung von Bestandteilen geben würde. Tatsächlich gab es dann kurz nach dem Launch massive Probleme mit Zulieferern, was die Lieferung des schwarzen Modells stark beeinträchtigte – und das zu einem Zeitpunkt, als der Konkurrent Samsung sein neuestes Flaggschiff Galaxy S4 auf den Markt brachte. Gegen die Dominanz des südkoreanischen Herstellers war es für HTC also nur bedingt möglich, anzukommen.

Keine interne Unterstützung

Dem Hersteller geht es mit dem Flaggschiff wieder etwas besser und es soll sich Marktbeobachtern zufolge auch halbwegs gut verkaufen. Gegen Samsungs massives Marketing-Budget und Ressourcen wird es für HTC aber immer schwieriger. Vor allem, wenn der wichtigste Rückhalt fehlt: Die Unterstützung der Mitarbeiter. (red, derStandard.at, 22.5.2013)

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The Verge

  • HTC-Chef Peter Chou muss zusehen, wie sich zahlreiche Mitarbeiter verabschieden
    foto: reuters

    HTC-Chef Peter Chou muss zusehen, wie sich zahlreiche Mitarbeiter verabschieden

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