Immer mehr Frauen wegen "moralischer Verbrechen" hinter Gittern

21. Mai 2013, 20:45
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Gesetzesinitiative zum Gewaltschutz von Frauen von Islamisten vereitelt

Kabul - Die Zahl der wegen angeblicher "moralischer Verbrechen" verurteilten Frauen in Afghanistan hat nach Angaben von MenschenrechtlerInnen dramatisch zugenommen. Die Organisation Human Rights Watch (HRW) berichtete am Dienstag unter Berufung auf Zahlen des Innenministeriums in Kabul, im laufenden Monat seien bereits 600 Mädchen und Frauen unter diesen fragwürdigen Vorwürfen inhaftiert worden. Das entspräche einer Steigerung von 50 Prozent in den letzten 18 Moanten. Oft hätten diese Frauen nur versucht, häuslicher Gewalt zu entkommen. Die Regierung müsse dafür sorgen, dass Täter strafrechtlich verfolgt würden, "nicht Frauen, die vor Missbrauch fliehen".

Systematische Täter-Opfer-Umkehr

Die Organisation mit Sitz in New York kritisierte, zwölf Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes und vier Jahre nach dem Erlass eines Präsidentendekrets zum Schutz von Frauen würden diese immer noch eingesperrt, "weil sie Opfer von Zwangsehe, häuslicher Gewalt und Vergewaltigung werden". Im vergangenen Jahr seien 95 Prozent der inhaftierten Mädchen und 50 Prozent der inhaftierten Frauen im Gefängnis gesessen, weil sie beschuldigt wurden, von zu Hause davongerannt zu sein oder Ehebruch begangen zu haben. Manche Frauen würden nach Vergewaltigungen wegen Ehebruchs verurteilt.

Harte Debatten über Gewaltschutz für Frauen

Am vergangenen Samstag hatte das Parlament in Kabul eine Debatte über das Präsidentendekret ohne die geplante Abstimmung ausgesetzt. Nach heftigem Widerstand von islamistischen Abgeordneten gegen das Gesetz wurde der Entwurf in einen Ausschuss zurücküberwiesen. Das bisher geltende Dekret würde von dem Gesetz abgelöst. Nun wird befürchtet, dass Islamisten das Gesetz vor einer Zustimmung im Parlament verwässern könnten. Das Gesetz wäre dann schwächer als das bisher geltende Dekret aus dem Jahr, die prekäre Lage der Frauen in Afghanistan würde weiter geschwächt. (APA, 21.5.2013)

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    Insassinnen des Frauengefängnisses in Kabul, wo besonders viele Frauen wegen "moralischer Vergehen" festgehalten werden.

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