Russlands Stahlbarone warten auf die Krise

21. Mai 2013, 18:22
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Konzerne produzieren viel, aber defizitär - Nachfrage am Weltmarkt sinkt

Moskau - Schwierige Zeiten für Russlands Metallurgiesektor: Laut dem Statistikamt RosStat ist die Stahlproduktion im ersten Quartal 2013 um 4,6 Prozent zurückgegangen und hat damit wesentlichen Anteil an der Stagnation der Industrieproduktion im Land. Zahlreiche Konzerne mussten in den letzten Monaten einen Gewinneinbruch oder gar drastische Verluste verkünden. Zuletzt musste der Stahlriese NLMK für das erste Quartal einen Rückgang des Ebitda um 18 Prozent konstatieren.

Auch die Aussichten sind alles andere als optimistisch. Auf den Weltmärkten sinke die Nachfrage, während weiterhin viel produziert werde. Das werde zu einer Erhöhung der Disbalance führen, heißt es in der Präsentation des Konzerns. NLMK ist nicht der einzige und nicht der schwerste Fall in der Branche. So hat beispielsweise das Metallurgiekombinat Magnitogorsk bereits für die vergangenen zwei Jahre einen Verlust von je etwa 100 Millionen Dollar verzeichnet und warnt auch für das noch ausstehende Ergebnis im ersten Quartal bereits im Vorhinein vor den "negativen Folgen" der niedrigen Preise auf den Weltmärkten.

Russland habe schwer mit der Konkurrenz aus China zu kämpfen, erklärt Dinur Galifanow, Analyst der Consultingagentur Aton. Auf dem asiatischen und dem amerikanischen Markt würden russische Produzenten von chinesischen verdrängt. Der Preiskampf habe zu einem Rückgang in vielen Segmenten um etwa zehn bis 15 Prozent geführt.

Für die russischen Betriebe ist dies eine kritische Ziffer, denn die Margen sind gering. Zugleich wachsen im Land die Tarife ungebremst: Strom, Gas und andere vom Staat vorgegebenen Dienstleistungen steigen oft im zweistelligen Bereich. Damit wird die Produktion defizitär.

Noch versuchen die Konzerne vor allem durch die Steigerung von Energieeffizienz und Outsourcing auf den Preisdruck zu reagieren, doch laut Galifanow muss die Produktion in Kürze deutlich gedrosselt werden.

Platin deutlich zu billig

Preisdruck spürt auch die Buntmetallindustrie. So sind Platin und Palladium - beide für die Autoindustrie wichtig - derzeit an den Weltmärkten billiger als die Förderkosten. "Der derzeitige Preis für Platin (etwa 1500 Dollar) liegt 300 Dollar unter dem gerechten Preis", klagt Anton Berlin, Marketingchef von Normetimpex. Das Problem: Die Konzerne können nicht mit kurzen Produktionsdrosselungen auf die Schieflage reagieren. Die Schmelzöfen müssen konstant beheizt werden, ansonsten sind die Verluste riesig.

Derzeit üben sich Russlands Metallurgen also noch in Geduld und hoffen auf bessere Zeiten. Konzerne wie Norilsk Nickel setzen dabei auf ihre Reserven. Doch nicht alle sind so liquide - und so droht einigen in der Branche tatsächlich früher oder später die Luft auszugehen.

Die drohende Krise in der Metallurgie hat Folgen für die Gesamtwirtschaft. Zwar wird Russlands Ökonomie weiterhin von Öl und Gas dominiert, doch laut Berlin hat die Metallurgie einen Anteil von zehn bis 15 Prozent am BIP. Dessen Wachstum droht sich weiter abzuschwächen. (ab, DER STANDARD, 22.5.2013)

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    Präsident Wladimir Putin vertraut auf russischen Stahl, ausländische Käufer greifen aber verstärkt zu Produkten aus China.

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