Ein Banker auf der Hochschaubahn

21. Mai 2013, 18:10
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Die Aufsicht hat die Prüfung des Hypo-Kredits von Herbert Stepic beendet: Der Banker ist demnach fit and proper

Wien - Die Fitness von Herbert Stepic, Chef der Raiffeisenbank International (RBI), hat die Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA länger beschäftigt. Die Finanzierung eines privaten Immobiliendeals in Serbien, die der Banker (bzw. sein Treuhänder) gemeinsam mit anderen Investoren über die Hypo Alpe Adria gemacht hat, hatte die Aufseher, wie berichtet, im vorigen Sommer auf den Plan gerufen. Nun sind die "Erhebungen" in dem Fall abgeschlossen. Ein formelles Verfahren folgt nicht, ist zu hören. Stepic ist also weiterhin fit and proper.

Wie aus der Bank zu erfahren ist, hat die FMA den über zahlreiche Offshore-Firmen gelaufenen Deal genau hinterfragt; Stepic habe letztlich glaubwürdig nachgewiesen, dass er aus der Finanzierung ausgestiegen sei. Der 2006 an die Enthusa Ltd. (an ihr war Stepic indirekt zu 25 Prozent beteiligt) auf Zypern ausbezahlte Kredit (19 Mio. Euro) ist laut Hypo noch offen, die Grundstücke konnten nicht versilbert werden. Die Hypo-internen Ermittlungen laufen aber noch. Man geht auffälligen Wertsteigerungen der Immobilien (rund 200 Prozent binnen eines Tages) nach, die vor dem Einstieg der Enthusa zu verzeichnen war. Und "jetzt hat keiner eine Idee, wo das Geld der Hypo letztlich hingeflossen ist", klagt ein in die Sache Involvierter.

Im Rahmen dieses Geschäfts ist auch bekannt geworden, dass Stepic eine Stiftung in Liechtenstein unterhält: die Restem-Stiftung. Die hatte, entgegen anderen Berichten, aber mit dem Hypo-Deal gar nichts zu tun. In Raiffeisen-Kreisen sorgt die Existenz der Stiftung trotzdem für Aufsehen. Zwar mache das alles keinen schlanken Fuß, hieß es damals, so lange Stepic aber keine rechtlichen oder steuerlichen Probleme habe, sehe man keinen Grund für Reaktionen. Stepic, entgegen anderslautenden Gerüchten: "Es gibt kein Steuerproblem."

In den vergangenen Wochen hat das Ansehen des Bankers, der Raiffeisen nach Osteuropa geführt und dort groß gemacht hat, innerhalb des Sektors aber ziemlich gelitten. Das Faktum, dass ihm allein die Fusion von Raiffeisen International und RZB zur RBI 2,8 Mio. Euro beschert hat, sorgte für eine gewisse Verwunderung.

Mühsame Gagenrückgabe

Vor allem aber hängt dem Manager die Tatsache nach, dass er für 2012 fast fünf Mio. Euro kassiert hat (von denen er dann zwei Millionen zurücküberwies). Denn seine Erklärung, er habe erst bei Lektüre des Vorabdrucks des Geschäftsberichts die Höhe der Auszahlungen (inklusive Aktienzuteilung aus dem Optionsprogramm) erkannt und dann freiwillig zurückgezahlt, bedarf einer gewissen Präzisierung.

Tatsächlich sind die RBI-Aktien nämlich schon im April 2012 in seinem Wertpapierdepot gelandet - der Geschäftsbericht wurde rund ein Dreivierteljahr später gedruckt. Stepic auf Nachfrage des Standard: "Bei der Aktienzuteilung habe ich, ehrlich gesagt, geistig die teils beträchtlichen Verluste aus den Vorjahren abgezogen. Die Gesamtsumme ist mir tatsächlich erst bewusst geworden, als ich sie im Entwurf zum Geschäftsbericht gesehen habe."

Auch bei der Rückgabe der zwei Millionen Euro soll sich Stepic zunächst geziert haben. RBI-Aufsichtsratspräsident Walter Rothensteiner habe Stepic nach Lektüre des Entwurfs des Geschäftsberichts zu sich beordert und, nach Rücksprache bei anderen Sektorgranden, zu einer Rückzahlung aufgefordert. Stepic sei dann bereit geworden, auf eine Million zu verzichten; zur weiteren habe man ihn "sehr überreden" müssen.

Eine Darstellung, die ein Sprecher von Stepic dementiert. Es handle sich um unrichtige Gerüchte und Spekulationen. (Renate Graber, DER STANDARD, 22.5.2013)

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    Der Chef der Raiffeisen Bank International, Herbert Stepic, hat seine Überprüfung durch die Bankenaufsicht überstanden. Im Sektor hat er an Ansehen verloren.

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