Fellners Erstling steht vor seiner letzten Ausgabe

21. Mai 2013, 18:07
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Die News-Gruppe stellt "Xpress" als gedrucktes Magazin ein, bastelt am Flaggschiff

Wien – Wolfgang Fellner hat ihn mit knapp 14 Jahren gestartet und damit seine Mediengründungsmaschine für "Basta", "News", "tv-media", "Format" und "Woman" bis "Österreich". Rudi Klausnitzer entledigte ihn als Boss der News-Gruppe seines Ursprungs, der Salzburger Rennbahnsiedlung, und taufte ihn "Xpress". Axel Bogocz beendet als News-Chef sein Leben auf Papier mit der Juni-Ausgabe. Ein buntes Jugendheft mit einer Schlüsselrolle in Österreichs jüngerer Mediengeschichte.

"Ungeahnte Höhen pushen"

Am "Rennbahn-Express" lernten die Mittelschüler ihre ewig gleichen Verkaufsmethoden. "Wir haben bewiesen, dass man eine Zeitung in ungeahnte Höhen pushen kann, wenn man sie entsprechend bewirbt" , sagte Helmuth Fellner. Auf dem Höhepunkt verkauften sie: "Rennbahn Express" und "Basta" dem "Kurier", dessen Magazine sie daraufhin in den 1990ern mit der News-Gruppe angriffen und die Gruppe dann in den 2000ern "Kurier" und die Mehrheit dem deutschen Riesen Gruner+Jahr verkauften, um sie mit den Magazinen zur Tageszeitung "Österreich" neuerlich anzugreifen.

Bei sinkenden Umsätzen und Ergebnissen zog Bogocz nun in einem Feld die Reißleine, das er kennt: Bogocz arbeitete bei Bauer lange für "Bravo", bevor ihn Gruner + Jahr nach Wien sandte. "Popcorn" lagerte gleich die Redaktion aus, "Bravo" verlor massiv an Auflage, tauschte rasch Chefredakteure. Die junge Zielgruppe widme sich "fast ausschließlich elektronische Medien" , sagt Bogocz dem
STANDARD. Zugleich sei der Anzeigenmarkt eingeschränkt. Junge Zielgruppen nimmt sich im Konzern Leserriese "tv-media" vor.

Ab Sommer kommt der "Xpress" alleine digital, die zuletzt nur noch sieben Jobs werden weiter reduziert. Die Marktforschung bescheinigte 99.000 Leserinnen und Leser, der Absatz sank.

"Kein Masterplan für weitere Einstellungen"

Sind weitere Hefte gefährdet? Bogocz sagt dazu, er wolle "nicht die Zahl der Titel diskutieren" . Er habe "keinen Masterplan für weitere Einstellungen". Aber: In diesem Medienmarkt des Jahres 2013 würde er ganz generell "keine Bestandsgarantien über fünf Jahre abgeben" .

In der Gruppe berichtet man von einer Krisensitzung und sechs Monaten Bewährungsfrist für News. "Vollkommener Nonsens" , verneint Chefredakteur Wolfgang Ainetter; Bogocz ebenso. Sitzungsthema sei allein gewesen, Ainetter wolle auch Artdirektion und Infografik umbesetzen. (fid, DER STANDARD, 22.5.2013)

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