Russland/USA: Entzweit gegen den Terror

21. Mai 2013, 18:19
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Nach dem Attentat in Boston hatte Russlands Präsident Wladimir Putin den USA ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen Terroristen angeboten

Es war eine aufregende Nacht für die Bewohner der Stadt Orechowo-Sujewo, 90 Kilometer östlich von Moskau. Polizeisirenen, Absperrungen und Schüsse. Am Ende berichtete der Inlandsgeheimdienst FSB über einen erfolgreichen Anti-Terror-Einsatz: Zwei mutmaßliche Terroristen wurden getötet, ein Mann verhaftet. Ein Beamter erlitt bei dem Schusswechsel leichte Verletzungen. Die drei Männer sollen einen Anschlag in Moskau geplant haben. Es handle sich um "russische Staatsbürger, die aus der afghanisch-pakistanischen Region gekommen sind, wo sie eine Kampfausbildung absolvierten und einen Anschlag vorbereiteten", teilte das Anti-Terror-Komitee auf seiner Webseite mit.

Die Aushebung einer mutmaßlichen Terrorzelle bei Moskau ist eine wichtige Erfolgsmeldung für die russischen Sicherheitskräfte, nachdem nur einen Tag zuvor bei einem Doppelanschlag in der russischen Kaukasusrepublik Dagestan vier Menschen ums Leben kamen und über 40 verletzt wurden.

Am Dienstag folgte die Meldung, dass Sicherheitskräfte in der Kaukasusrepublik Inguschetien den engsten Mitarbeiter des Islamistenführers Doku Umarow, Dschamaleil Mutalijew, und einen weiteren Extremisten getötet hätten.

Der Kaukasus bleibt die Achillesferse Russlands. Allein heuer haben die Behörden in der Region 122 Anschläge mit elf Toten registriert. Zumeist richten sich die Taten gegen Uniformierte, Beamte und Geschäftsleute.

CIA sucht nach Experten

Auch die beiden Boston-Attentäter stammen aus dem Kaukasus und sollen angeblich durch eine Dagestan-Reise im vergangenen Jahr zu der Tat animiert worden sein. Offenbar vor diesem Hintergrund versuchen die US-Behörden nun ihre Kaukasus-Kompetenz zu stärken.

Der Versuch, einen Kaukasus-Experten des FSB abzuwerben, endete aber in einem politischen Desaster. Der als Diplomat getarnte CIA-Agent Ryan Fogle wurde bei dem Informantentreffen vom FSB nicht nur gestellt, sondern auch der Lächerlichkeit preisgegeben, indem seine Festnahme im landesweiten Fernsehen ausgestrahlt wurde. Gefilmt wurde Fogle mit verrutschter Perücke, Sonnenbrille (nachts), Kompass, Stadtplan, zwei Taschenmessern und einigen tausend Euro.

Was wie eine Parodie anmutet, sorgt weder in Washington noch in Moskau für Heiterkeit. Fogle wurde ausgewiesen, US-Botschafter Michael McFaul ins Außenministerium zitiert. Moskau demonstrierte offen seine Entrüstung über diesen plumpen Abwerbeversuch. Dabei ist beiden Seiten klar, dass auch 20 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs Spionage weiterhin zum Tagesgeschäft in den gegenseitigen Beziehungen gehört. Bisher allerdings wurden die Spione heimlich gefasst und ausgetauscht. Die öffentliche Zurschaustellung dient ebenso wenig wie der plumpe Abwerbeversuch der besseren Kooperation bei der Terrorabwehr.

Zwar hatte Putin jüngst in einer TV-Frageshow hier eine Zusammenarbeit angeboten, in der Realität jedoch scheinen beide Länder ihr Glück im Alleingang beim Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu suchen. (André Ballin, DER STANDARD, 22.5.2013)

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    US-Botschafter Michael McFaul, sichtlich nicht amüsiert beim Verlassen des russischen Außenministeriums - die Spionageaffäre um den in Moskau gefassten CIA-Agenten belastet das Verhältnis beider Länder weiter

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