Elektrohandel sucht den richtigen Stecker

21. Mai 2013, 17:49
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Niedermeyer muss Retter präsentieren - Media Markt und Saturn treten auf der Stelle

Wien - In einer Woche entscheidet sich das Schicksal von Niedermeyer. Die in die Insolvenz geschlitterte Elektrohandelskette muss bis dahin einen finanzstarken Investor auftreiben und den Gläubigern präsentieren, sagt Masseverwalter Georg Freimüller dem Standard.

Werner Weber, Chef und Miteigentümer von Niedermeyer, begann bereits im Vorfeld der Insolvenz mit der Suche nach Rettern. Ohne sie stehe dem Unternehmen eine geordnete Liquidation bevor, ergänzt Freimüller. Davon betroffen wären 300 Mitarbeiter in 45 Filialen. 54 Standorte mit 280 Beschäftigten wurden Anfang April geschlossen. Der Abverkauf sorgte für einiges an frischem Kapital.

Probleme mit Lieferanten und der Versorgung hatte Niedermeyer bisher keine. Die Risiken der Industrie hielten sich aufgrund von schon vor der Insolvenz aufgebauter Konsignationslager verhältnismäßig in Grenzen. Waren verbleiben darin so lange im Eigentum der Lieferanten, bis sie der Händler entnimmt - womit sich die Kapitalbindung deutlich verringert.

Das Marktumfeld sei sehr hart, resümiert Freimüller, bisher werde Niedermeyer jedoch ordentlich und professionell durch die Krise geführt. Als möglicher Retter gilt der deutsche Online-Händler Cyberport, mit dem Niedermeyer seit einigen Jahren kooperiert. Dieser hielt sich dazu bisher bedeckt.

Österreichs Elektrohandel machen Online-Anbieter, allen voran Amazon, schwer zu schaffen. Vor allem Media Markt und Saturn gerieten mit ihren riesigen und teuren Standorten unter Zugzwang. Von etlichen Filialen mit ernsten Problemen ist in der Branche die Rede: Viele kannibalisierten sich selbst, der Gruppe liefen die Kosten davon, der Gewinn schmelze.

Kannibalisierung

Frank Kretzschmar, Geschäftsführer von Media Markt und Saturn in Österreich, sieht den Konzern hingegen gut aufgestellt. Die Umsätze seien 2012 netto um zwei Prozent auf 1,104 Milliarden Euro gewachsen. Doch darin eingerechnet sind drei zusätzliche Standorte. Flächenbereinigt habe es beim Umsatz "eine rote Null" gegeben.

Gewinne erziele man nach wie vor, sagt Kretzschmar. "Wir sind jedoch derzeit in einer stark investitionsintensiven Phase." Und das gehe auch auf die Erträge. Die eine oder andere Kannibalisierung der Standorte untereinander sei eingeplant. Unter dem Strich rechne es sich gut. Heuer werde nicht expandiert. Drei bis vier neue Märkte sind wieder ab 2014 geplant.

Media Markt und Saturn halten in Österreich nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 23 Prozent und zählen in 47 Filialen gut 2470 Mitarbeiter. Der Einstieg ins Internetgeschäft gelang dem Branchenführer erst 2010. Ein Jahr darauf wurde international der Webhändler Redcoon übernommen.

Viel zu spät sei auf die günstigere Konkurrenz aus dem Netz reagiert worden, meinen Marktkenner. Für Kretzschmar war es "der richtige Zeitpunkt", um die Webshops mit stationären Filialen zu verzahnen. Sein Ziel sei, im Elektrohandel online die Nummer zwei hinter Amazon zu werden. Media Markt und Saturn sollen künftig zehn Prozent des Umsatzes übers Netz verbuchen. Derzeit sind es international vier Prozent.

Es gelte, Strukturen und Prozesse zu verändern, sich auf niedrigere Margen einzustellen, das gelinge von Jahr zu Jahr besser, betont Kretzschmar, der die Preise in den Filialen "Schritt für Schritt überarbeiten" will. Ihre Höhe legen dezentral die jeweiligen Filialchefs fest. Die Razzien der Kartellbehörde im Konzern wegen Verdachts auf verbotene Preisabsprachen kommentiert er mit Verweis auf laufende Verfahren nicht. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 22.5.2013)

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